Samstag, 16. Februar 2008

Abenteuer Irland

Wie im Laufe dieser Woche bekannt wurde, übernimmt Giovanni Trapattoni ab Juni das Zepter der irischen Nationalmannschaft. THOR WATERSCHEI wünscht „Trap“ jedenfalls viel Vergnügen bei seinem irischen Abenteuer und möchte nicht so bald ein wütendes „I have finished“ hören...

Dass es Giovanni Trapattoni irgendwann einmal nach Irland des Fußballs wegen verschlagen könnte, hätte der italienische „Maestro“ wohl nicht wirklich gedacht.

Abenteuer Irland

Aber der Pasta-Liebhaber folgt wohl nicht ausschließlich dem Ruf irischer Kulinessen auf die „Grüne Insel“ oder gastiert dort, um dem Guinness oder Whiskey zu frönen. Nein, er soll den irischen Fußball-Anhängern wieder die Freude an ihren „Boys in Green“ zurückbringen. Denn Freude entfachten diese in der kurzen Ära unter der Ägide des irischem Rekordinternationalen Steve Staunton wohl bei kaum jemandem im Land des dreimaligen WM-Teilnehmers.

Ein dritter Rang in der deutschen EM-Qualifikationsgruppe D, inklusive eines üppigen 10-Punkte-Rückstands auf das zweitplatzierte und qualifizierte Deutschland, hinterließen neben sang- und klanglosen irischen Vorstellungen, wie bei einer historischen 2:5-Pleite auf Zypern, einen bleibenden Kloß im kollektiven irischen Fußball-Hals. Irland zuvor durchaus berechtigt im oberen Bereich der europäischen Fußball-Mittelklasse gehandelt, versackte vollends ins fußballerische Niemandsland Europas.

„Greenhorn“ Staunton zu grün

Der Schuldige war auf der „Grünen Insel“ schnell ausgemacht. Er hieß Steve Staunton. Der Rothaarige hat zwar 102 Länderspiele auf dem Buckel und bis auf den legendären irischen Triumph bei der Euro 1988 über England so ziemlich jedes irische Fußballwunder der jüngeren Vergangenheit als Spieler auf dem Feld miterlebt. Als Teammanager war der inzwischen 39-Jährige nach kurzzeitiger vorheriger „Lehrzeit“ beim damals noch in Englands vierter Liga ansässigen FC Walsall doch einfach noch etwas zu grün und avancierte insofern nicht zur erhofften irischen Ausgabe von Jürgen Klinsmann.

Es spricht nunmehr für sich, dass Staunton erst jüngst beim mittlerweile in der dritten englischen Liga gestrandeten Traditionsverein Leeds United abermals als Co-Trainer anheuerte. Als zu grün oder als „Greenhorn“ kann man Giovanni Trapattoni dagegen wohl kaum klassifizieren. Auch wenn der 68-Jährige, dem der Ruf vorauseilt, erfolgreichster Trainer der Welt zu sein, kürzlich ein kolportiertes Engagement auf der „Grünen Insel“ noch in das weitläufige Reich der irischen Sagenwelt verbannte.

Trapattoni sucht neue Herausforderung

„Ich übernehme nach dem Meisterschaftsende die irische Nationalmannschaft, das ist eine große und neue Herausforderung für mich,“ gab Trapattoni dagegen heute bekannt und nahm das rund zehn Tage alte Angebot des irischen Fußballverbandes (FAI) letztlich doch an. Ab Juni 2008 wird „Trap“ die Iren nunmehr coachen und peilt ausdrücklich die Qualifikation für die WM 2010 in Südafrika an.

Ebenso wie Trapattonis Landsmann Fabio Capello auf der Nachbarinsel soll der Italiener dem kampfbetonten und manchmal etwas einfach angelegten irischen Spiel nicht nur mehr Stabilität in der Defensive verleihen. Auch auf Trapattonis taktische Feinheiten darf sich die irische Eleven um Abwehrkante Richard Dunne von Manchester City, Flügelflitzer Damian Duff von Newcastle United und Robbie Keane von Tottenham Hotspur freuen.

Als Empfehlung werden Trapattoni gewiss seine mehr als 20 Titel für Vereine aus vier Ländern und seine mehrjährige Amtserfahrung als italienischer Nationaltrainer genügt haben. Doch inwiefern den zuletzt überaus biederen „Boys in Green“ Signore Trapattoni und seine Weisheiten, wie zuletzt Red Bull Salzburg, Flügel verleihen werden, bleibt wohl abzuwarten.

Das gute Omen Jacky Charlton

Bevor man jedoch Feingeist „Trap“ nach womöglich schwieriger Orientierung im etwas herberen britisch-irischen Kulturkreis in der ihm typischen Art plötzlich auf Englisch parlierend „I have finished“ schimpfen hört, sollte der ganzen Skepsis zunächst ein gutes Omen entgegengehalten werden. Dereinst machte bekanntlich mit Jacky Charlton schon einmal ein nicht-irischer Nationaltrainer Irlands von sich Reden. Charlton war zwar Engländer. Dennoch ernannte man den großgewachsenen Jack in Irland nach seinen bis heute unerreichten Erfolgen als Nationaltrainer Ende der Achtziger bis Mitte der neunziger Jahre sogar zum irischen Ehrenbürger.

Davon ist Trapattoni vor Beginn seines irischen Abenteuers sicher noch etwas entfernt. Ein Meilenstein auf dem Weg zu neuen fußballerische Ufern könnte für „Trap“ und seine Iren aber unter anderem Achtungserfolge in der bevorstehenden WM-Qualifikation sein. Beispielsweise gegen Weltmeister und Gruppengegner Italien…

Der Artikel ist ebenso auf Goal.com zu finden.

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