Donnerstag, 31. Januar 2008

Kallon United

Der Wahlspruch der lange vom Bürgerkrieg gebeutelten westafrikanischen Republik Sierra Leone ist „Einheit, Freiheit, Gerechtigkeit“. Das rege Unterfangen der Einheit hat sich dabei speziell Sierra Leones bekanntester Fußballer Mohammed Kallon zur Aufgabe gemacht, legte sich Kallon doch anno 2002 für gut 30.000 Dollar den in Sierra Leones Hauptstadt Freetown ansässigen Klub Sierra Ficheries zu.

Diesen benannte er dann kurzerhand in Kallon Football Club um und schuf sich damit ein heimatliches Nest, in das er nach langen Jahren der Wanderschaft durch die Fußball-Welt zurückkehren kann. Denn ein solches Nest hat der eigenwillige Stürmer, in seiner Zeit bei Inter Mailand mit der für einen Stürmer überaus unüblichen Rückennummer drei sowie durch einen Dopingverstoß aufgefallen, steht dem Wandervogel durchaus gut zu Gesicht. Schließlich ist Kallon im Laufe seiner Karriere mit 13 Stationen in 13 Jahren im Fußball-Makrokosmos ganz schön herumgekommen.

Zur Familieneinheit dürfen insofern Kallons ältere Brüder Kemokai und Musa beitragen, die Kallons Nest hegen und pflegen. Bruder Kemokai, selbst einst in schwedischer Fußballprovinz gescheitert, fungiert dabei in Kallons eigenem Mikrokosmos als Abwehrchef und Mannschaftskapitän. Bruder Musa hingegen mimt den Klubchef. Doch das der Kallon F.C. deswegen sogleich mit Eintracht Kallon gleichzusetzen wäre, war nicht immer anzunehmen. Denn jener Musa versuchte sich dereinst auch schon einmal als Coach des Kallon'schen Familienklubs.

Der unbeliebte Musa, wurde allerdings, nachdem seine Spieler ihm die Gefolgschaft gekündigt hatten, von seinem brüderlichen Klubeigner von seiner Traineraufgabe entbunden.Diese Maßnahme trug verständlicherweise nicht besonders zu einem Fortbestand der Familieneintracht bei den Kallons bei. Das äußerte sich unter anderem dadurch dass der gekränkte Musa in einem seinem unehrenhaften Rausschmiss folgenden Ligaspiel einfach seine kleine Tochter in den Mittelkreis setzte und damit erfolgreich verhinderte, dass gegen verblüfften Diamond Stars of Kono ein regelkonformer Anstoß erfolgen konnte.

Dass sich diesem wohl einmaligen „Anstoßboykott“ eine einjährige Sperre anschloß, wird Musa aber wahrscheinlich spätestens seit seiner Ernennung zum Klubchef durch Bruder Mohammed endgültig verkraftet haben.Bruder Mohammed ist übrigens mittlerweile, nachdem er in den letzten Jahren beim AS Monaco und speziell in Saudi-Arabien mit seinen Treffern für Furore sorgte, beim griechischen Tradionsverein AEK Athen gelandet. Dort soll der Wandervogel an der Seite von Altstar Rivaldo griechische Fußballherzen glücklich machen.

Man braucht zwar keine griechischen Orakel beschwören, um zu ahnen, dass Mohammeds Kallons Stippvisite unterhalb der Akropolis irgendwann einmal zu Ende gehen wird. Ebenso sind solche Orakel nicht notwendig, um vorauszusagen, dass Sierra Leones einziger Superstar dann irgendwann zu seinem Kallon F. C. zurückkehren wird. Und wie es derweil aussieht, wird er dort also wieder eine (Familien-)Eintracht vorfinden - man könnte Kallon F. C. deshalb beinah schon Kallon United nennen...

Dieser Artikel ist auch auf Goal.com zu finden.

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