Sonntag, 9. Dezember 2007

Reiner Kahnsinn

Ja, soll das einer verstehen. Der Platz zwischen den beiden Torpfosten ist eigentlich eine deutsche Bastion. Man kann die Männer mit den Handschuhen aufzählen und einfach kein Ende finden. Toni Turek, der Fußball-Gott, Sepp Maier, die Katze von Anzing, Toni Schumacher, der Tünnes vom Rhein, Oliver Kahn, der Torwart-Titan, oder Jens Lehmann, der intelligente Elfmetertöter aus Essen. Letzterer hat aber bekanntlich in London ebenso wie sein Vertreter Timo Hildebrand in Valencia damit zu kämpfen, überhaupt wieder den Torwächter geben zu dürfen.

Erscheint im Falle Lehmann in Britannien, im mitunter als Mutterland der Fliegenfänger anmutenden England, natürlich etwas zynisch. Doch Deutschlands Torwart Nummer eins wird den Kampf um den Kasten bei Arsenal sicher nicht aufgeben, auch wenn es da mit Arsene Wenger doch mal öfter im Gebälk knirscht. Sofern es zwischen der Latte und den Pfosten im Norden Londons indes tatsächlich nur im Gebälk knirscht, hat sich nebenbei gesagt, kein Geringerer als Uli Stein Gedanken gemacht.

Der schlagfertige Jahrhunderttorhüter von Arminia Bielefeld stand ja bekanntermaßen selbst sechsmal im deutschen Tor und servierte dem Bundes-Jogi nun quasi direkt aus dem deutschen Torwart-Olymp seine favorisierte Lösung, falls insbesondere Lehmann und sein schwäbischer Stellvertreter nicht zur Euro im kommenden Sommer nicht mehr pünktlich die Kurve in irgendein Klub-Tor Europas kriegen. Nicht etwa den hochgeschätzten Robert Enke sieht der angehende Adjutant von Berti Vogts in Nigeria im deutschen Tor in Österreich und der Schweiz stehen.

Nein, Stein forderte Jogi Löw nun auf, sich wieder mit keinem Geringeren als Oliver Kahn zu befassen: „Man muss sich ganz klar mit der Variante Oliver Kahn beschäftigen. Bei der Leistung die er wieder bringt, ist er absolut ein Kandidat. Er ist super drauf, hat eine wirklich gute Phase bei Bayern München. Ich sage ja, der Beste muss spielen.“ Interpretiert man Steins Äußerung richtig, gilt in Deutschland, wenn man so will, weiter der sogenannte Torwart-Darwinismus. „Man sollte ihn wenigsten ansprechen und versuchen, ihn für die Nationalmannschaft zu reaktivieren. Er hätte die EM verdient. Es wäre der perfekte Abschluss einer tollen Karriere,“ schlug Stein ferner vor.

Und der dreimalige Welttorhüter des Jahres mit den unverkennbaren blonden Haaren, der im nächsten Sommer doch in seine wohlverdiente Torwartrente gehen will, hat sich selbst, tatsächlich auch schon mit der Euro 2008 beschäftigt. Zwar nach seinem vermeintlich endgültigen Rücktritt anno Nullsechs nicht mit einem Comeback im Dress mit dem Bundesadler. Vielmehr damit, dass Jogis Löwen in der Vorrunde gegen die derweil nicht allzu formstarken Gastgeber aus Österreich womöglich so wie einst anno 1978 ein zweites Cordoba blühen könne. Das ließ Kahn jedenfalls dieser Tage in einem Interview mit der Wiener Tageszeitung Österreich durchblicken.

Kahns höfliche Bemerkungen sind kein sogenannter Schmäh. Wäre ja wirklich was, wenn Steins Visionen vom deutschen Torwart-Darwinismus zu Gunsten von Kahn wahr würden und dieser obendrein noch das zweite Cordoba verhindern dürfte. Das wäre nicht nur was, das wäre, mit zwei zwinkernden Augen gesagt, ja reiner Kahnsinn.

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