Freitag, 14. Dezember 2007

Mein Leben als leidender Bergsteiger

Im Gästeblock von THOR WATERSCHEI erzählen Fußball-Fans von ihrem Lieblingsverein. Heute berichtet Dennis Weinacht von seinem entbehrungsreichen Leben als fanatischer Anhänger des einst so ruhmreichen 1. FC Kaiserslautern...

Da mache ich schon Urlaub im Süden Frankreichs, weil mir das schöne Deutschland im Sommer schlichtweg zu verregnet ist, und trotzdem werde ich angesprochen. Mir gegenüber steht ein älterer Herr, der mich amüsiert anlächelt. „Na? Wirst du deinen FCK auch in der Regionalliga unterstützen?“, fragt er mit süffisantem fast schon schadenfrohem Blick und einem Fingerzeig auf das Nummernschild. KL! Schon das Kürzel bringt mich immer wieder in Erklärungsnot. Wie soll man diese Liebe erklären? Wahrlich ist es für mich keine Schande ein Fan der „Roten Teufel“ zu sein, aber irgendwie ist es dennoch schwierig diese Tatsache einleuchtend zu begründen.

Manchmal ist der 1.FC Kaiserslautern für mich schon so ein großer Teil des Lebens, dass ich gar nicht bemerke was um mich herum passiert. Da betrete ich einen Raum und ca. 30 junge Damen und Herren beginnen zu pfeifen und zu toben. Und das nicht etwa in einem Stadion, sondern in der Humboldt-Universität zu Berlin bei einem Presse Kongress. Zunächst beziehe ich die Reaktionen natürlich nicht auf mich. Bis mir plötzlich eines auffällt: Ich trage meinen roten FCK-Schal. Im Hotelzimmer ist mir nicht einmal aufgefallen, dass ich den angezogen hatte. Ich nehme es mit Fassung und freue mich, dass man meinen FCK überhaupt noch an einem Schal erkennt, bevor ich damit beginne meinen Klub zu verteidigen. Wie ein Tiger werfe ich mich vor die Mannschaft. Nicht nur gegenüber Fremden. Mittlerweile muss ich mich schon im eigenen Bekanntenkreis erklären.

Und mit jenem Schal begann auch alles. Vor einigen Jahren war es ein Weihnachtsfest, dass für mich Folgen haben sollte. Mein Vater schenkte mir besagtes Fan-Souvenir und zwei Eintrittskarten für die Partie 1. FC Kaiserslautern – VfL Wolfsburg. Und nach langem zittern und fiebern war es dann am 8. Mai 2004 so weit. Zum ersten Mal in meinem Leben -zugegeben als Spätsünder- bestieg ich den höchsten Berg Fußball-Deutschlands. Ich erinnere mich noch als wäre es gestern gewesen. Zwei Mal hatten meine Teufel einen Rückstand gedreht. Die ersten beiden Tore erzielte Vratislav Lokvenc, das letzte Nenad Bjelica, der anschließend mit einem Baby-Schnuller im Mund jubelte. 3:2 gewann der FCK am Ende. Seitdem war es für mich das Größte Spiele dieses Vereins zu besuchen. Man verzeihe mir den Ausdruck, aber der FCK ist einfach geil!

Das Match ging mir sogar so unter die Haut, dass ich eine gewisse Hass-Liebe zum Gegner dem VfL Wolfsburg entwickelte. Wenn ich heute an die „Wölfe“ aus Niedersachsen denke, dann kommt mir nur noch ein sehr, sehr schmerzhaftes Bild vor Augen, dass sofort meinen ganzen Körper durchfährt: Florian Fromlowitz steht vor seinem Tor weint bittere Tränen in den Armen Wolfgang Wolfs. Wenige Minuten zuvor war der 1.FC Kaiserslautern zum zweiten Mal in seiner Vereinsgeschichte abgestiegen. Das 2:2 in der VW-Stadt reichte an diesem 13. Mai 2006 (also fast genau drei Jahre nach meinem ersten Kontakt) nicht aus. Und mit unserer verjüngten Mannschaft weinte eine ganze Region. Mich eingenommen!

An diesem Tag weinte ich selbst wegen roter Gelatine, die mir meine Schwester bewusst provozierend zeigte. Vielleicht waren es auch schon Tränen für die Zukunft, denn seither ging es für das „Herz der Pfalz“ stetig bergab. Man fragt sich als Fan immer und immer wieder, wieso es gerade der eigene Verein ist, der eine solche Entwicklung durchläuft?! Die Momente die den FCK in meinem Kopf prägen, sind zumeist traurig. Aber es ist eine Trauer, die auch meine Verbundenheit zu diesem Team zeigt.

Sicherlich wäre mein Leben unproblematischer und vielleicht sogar phasenweise glücklicher verlaufen, wäre ich an jenem 8. Mai 2004 nicht im Fritz-Walter Stadion gewesen. Vermutlich wäre diese Liebe zum Verein nie entstanden. Und damit die Trauer ausgeblieben. Auch deshalb sagen heute viele, im Hinblick auf meine fanatische Art, zu mir: „Es wäre besser gewesen du wärst damals zuhause geblieben!“ Und ich? Ich würde es wieder tun!

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