Sonntag, 14. Oktober 2007

Zu Ernsthaft

Was hat sich Fabian Ernst, der Schalker Mittelfeldmotor, denn da wohl gedacht. Da spielt sich die deutsche Fußball-Nationalmannschaft derweil wieder zurück in die Weltspitze und hat sich gestern nach der Nullnummer von Dublin als erstes Nation für die Euro 2008 qualifiziert.

Ernst wird hingegen bei der Alpen-Euro nicht mit von der Partie sein. Nach den ganzen Nichtnominierungen der letzten Monate und bei der WM anno 2006 erklärte er in einem Interview das Kapitel Nationalmannschaft als beendet. Speziell will der frühere Bremer unter Bundestrainer Jogi Löw, bei dem offensichtlich im defensiven Mittelfeld Torsten Frings von Werder Bremen, der Stuttgarter Thomas Hitzlsperger und der Leverkusener Emporkömmling Simon Rolfes bessere Karten besitzen, nicht mehr auflaufen. Demnach würde der 28-Jährige gar freiwillig auf eine Berufung verzichten. „Sollte Löw doch noch anrufen, sage ich ihm freiwillig ab.“

„Sollte Löw doch noch anrufen, sage ich ihm freiwillig ab.“

24 Länderspiele hat Ernst bislang bestritten. Angesichts von Ernsts derzeitiger Formstärke hatten sich zuletzt insbesondere Schalke-Manager Müller und Schalkes Coach Slomka für eine Rückkehr in den Kreis der DFB-Elf stark gemacht. „Ich möchte von niemandem in die Mannschaft reingesungen werden“, stellte Ernst auf Stur: „Der Bundestrainer sollte schon selbst hinter mir und meiner Leistung stehen. Wäre das aber der Fall, hätte er sich längst bei mir gemeldet.“

Dass Fabian Ernst offenbar ein reflektierender Mensch ist, diesen Eindruck vermittelte er schon länger. Doch fraglich ist jedoch, ob er seine Entscheidung nicht auf einem Denkfehler gründet. Überragt er weiter bei Schalke und glänzt obendrein in der Champions League, würde der gute Jogi Löw womöglich erst gar nicht an ihm vorbeikommen. Wieso er ein mögliches EM-Ticket insofern vorschnell sozusagen aus dem Fenster wirft, wird wohl nur er selbst und seine verletzte Eitelkeit wissen.

Aus der nicht glücklichen Ehe Nationalmannschaft und Fabian Ernst bleibt damit weiter nur sein Faux-Pas aus dem deutschen Auftaktspiel in der Vorrunde der unterirdischen Euro 2004 gegen die Niederlande in Erinnerung, als Ernst nur zwei Minuten nach seiner Einwechselung fahrlässig den flinken Andy van der Mende flanken ließ und ein gewisser Ruud van Nistelrooy die Flanke abgebrüht zum Ausgleich im Kasten von Oliver Kahn unterbrachte, der den Niederländern doch noch das Remis sicherte.

Mit einem Erfolg im deutsch-niederländischen Prestigeduell hätte die aus deutscher Sicht schmachvolle Euro in Portugal, ohne Ernst hier Böses zu wollen, vielleicht eine andere Wendung für die DFB-Equipe genommen. Dieser 15. Juni 2004 wird daher weiter wie ein Damoklesschwert über der Nationalmannschaftskarriere des Fabian Ernst schweben. Fabian Ernst, der neue T(h)or der Woche.

Der Artikel ist ebenfalls auf Goal.com zu finden.

Keine Kommentare: