Sonntag, 28. Oktober 2007

Mit der Fähre nach Göteborg und zurück

THOR WATERSCHEI erinnert an den Europapokalsieg des zuletzt leicht in der Versenkung verschwundenen schottischen Traditionsklubs FC Aberdeen anno 1983, der am vergangenen Donnerstag sein Auftaktspiel in der UEFA-Cup-Gruppenphase mit 0:3 bei Panathinaikos Athen verlor.

1983. Man muss nicht unbedingt den heute so angesagten britischen Barden James Blunt beauftragen, um die Höhepunkte eines Jahres zu besingen. Das können im Falle des FC Aberdeen die Fans des schottischen Traditionsklubs, der auf den Spitznamen „The Dons“ hört, gewiss selbst.Aberdeen spielte damals zu Anfang der achtziger Jahre im schottischen Fußball eine außerordentlich gute Rolle. Gleich dreimal wurden die „Dons“ zwischen 1980 und 1985 schottischer Meister und sicherten sich somit den für die beiden Glasgower Old Firm-Klubs scheinbar exklusiv reservierten Platz an der schottischen Tabellenspitze.

Gleich viermal feierte Aberdeen jedoch in jenen Tagen auch den Gewinn des schottischen Pokals, was aufgrund des Titelhattricks von 1982-84 sowie 1986 zugleich die Teilnahme am mittlerweile „verstorbenen“ Europapokal der Pokalsieger bedeutete.Die Teilnahme an diesem Europapokal trug insbesondere in der Saison 1982/83 für den Aberdeen Football Club, bei dem damals ein gewisser und weitaus jüngerer Alex Ferguson in einer beinahe pittoresk anmutenden bordeaux-roten Trainingsjacke mit drei weißen Streifen Kicker wie Gordon Strachen, Alex McLeish, Willie Miller oder Torwart Jim Leighton über die Spielfelder Schottlands und Europas scheuchte, Früchte.

Die Schützlinge des seinerzeit also schon gestrengen „Fergie“ standen nach den Stationen Sion, Tirana sowie dem polnischen Vertreter Posen, im Viertelfinale des Wettbewerbs plötzlich dem ruhmreichen FC Bayern München gegenüber. Und nach einem torlosen Remis im Münchner Olympiastadion gingen die Bayern in einer wahren Regenschlacht im Pittodrie Stadium zu Aberdeen mit 2:3 geradezu unter.

Besser erging es im Halbfinale allerdings auch nicht dem damaligen belgischen Pokalsieger Thor Waterschei. Den besiegte Aberdeen im Hinspiel gleich mit 5:1, so dass eine 0:1-Niederlage im Rückspiel nicht mehr ins Gewicht fiel.Aberdeen stand damit im Endspiel des Europapokals der Pokalsieger und traf im Finale an jenem 17. Mai 1983 im Ullievi Stadion in Göteborg, zu dem die Mannschaft aus der schottische Hafenstadt mit der Fähre über die Ostsee anreiste, auf Real Madrid. Nicht nur das Wetter präsentierte sich dort mit starkem Regen ziemlich schottisch, auch lag das Stadion, das knapp 18.000 Zuschauer säumten, fest in schottischer Hand.

Und dieser „schottische Abend“ sollte gegen die von Alfredo Di Stéfano betreuten „Königlichen“ zusätzlich von dem überraschenden 2:1-Finalsieg der „Dons“ gekrönt werden. Aberdeens „Mr. Europacup“ John Hewitt, schon gegen den FC Bayern umjubelter Matchwinner, drückte in der Verlängerung auch gegen Real den Ball auf dem vom Regen tiefen Rasen des Ullievis über die Linie und bescherte Aberdeen damit den bis heute größten Triumph der Vereinsgeschichte.

Ein strahlender Alex Ferguson sollte dann übrigens tags darauf mit dem „Pokalsiegerpokal“ in der Hand unter dem frenetischen Getöse des Nebelhorns der Fähre aus Göteborg wieder in den Hafen Aberdeens eintrudeln…

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