Dienstag, 16. Oktober 2007

Träume wie George Best

Der viel zu früh verstorbene George Best ist sicherlich nicht nur der beste Kicker des nordirischen Fußballs gewesen, sondern ist auch wohl sein bekanntester. Ganze 39 Mal spielte „Georgie“, der dem leichten Leben neben dem Rasenrechteck ebenso zugeneigt war wie dem runden Leder, dabei zwischen 1964 und 1977 für sein Heimatland.

Best bei keiner WM oder EM mit dabei

In seiner besten Zeit in den sechziger Jahren gewann der dribbelstarke Frauenschwarm mit Manchester United bekanntermaßen unter anderem 1968 den Europapokal der Landesmeister und avancierte im selben Jahr zu Englands und Europas Fußballer des Jahres. Für Best war 1968 damit wahrlich ein traumhaftes Jahr. Wenn man soll will, sah man anno ´68 „the best of the Best“ – Best sprühte vor Spielwitz, vernaschte auf seinem rechten Flügel seine Gegenspieler reihenweise und ließ obendrein wie neben dem Spielfeld auch vor dem gegnerischen Tor nicht viel anbrennen.

Den Traum, das grün-weisse nordirische Trikot dagegen bei einer WM- oder EM-Endrunde zu tragen, konnte sich der erste Pop-Star des Fußballs in seiner turbulenten Karriere indes nie erfüllen. Dieses Schicksal teilt Best freilich in der Fußballgeschichte mit Genies wie dem großen Alfredo di Stefano oder etwa seinem potenziellen Nachfolger bei Manchester United Ryan Giggs.

Wobei, beinah wäre Bests Traum für ihn doch noch in Erfüllung gegangen. Es war vor der WM 1982 in Spanien. Nach seinem Abschied bei ManU 1974 tingelte Best, den man einst huldvoll den „fünften Beatle“ nannte, durch die weite Fußballwelt spielte vor jener WM nach den Stationen, den den Lesern dieser Kolumne an dieser Stelle nicht unterschlagen werden sollen, Jewish Guild of Johannesburg (Südafrika), Dunstable Town, Stockport County, Cork Celtic, Los Angeles Atztecs (3 Mal), Fulham (2 Mal), Fort Lauderdale Strikers (2 Mal), Hibernian Edinburgh (2 Mal) mittlerweile zum sechsten Mal in seiner Laufbahn in der nordamerikanischen Operettenliga bei den San Jose Earthquakes.

Bests Nachfahren leben seinen Traum nun weiter

Sein unsteter Lebenswandel, inklusive exzessiven Alkoholkonsums, und sein fußballerisches Rentenalter von 36 Jahren, machten Best allerdings nur noch zu einem Schatten früherer Tage und für den damaligen nordirischen Nationaltrainer Billy Bingham der tatsächlich eine Nominierung erwogen hatte, untragbar.

George Bests großen Traum leben seine sogenannten Nachfahren in der „Green and White Army“ nun weiter. Das tun sie nunmehr insbesondere im Hinblick auf die bevorstehende Euro 2008 in Österreich und der Schweiz. In den vergangenen Jahren war von Bestscher Brillanz bei den nordirischen Kickern zwar überaus wenig zu sehen. In der laufenden Qualifikation wiesen sie jedoch entgegen der wenig glanzvollen vergangenen Leistungen ihre Klasse durch großen Einsatz und mannschaftliche Geschlossenheit nach. Man kann sogar mit Fug und Recht behaupten, dass die wackeren Nordiren den drei Gruppenfavoriten Spanien, Schweden und Dänemark in der Gruppe F mitunter das Fürchten lehrten.

Nach furiosem Auftakt in der Qualifikation...

Speziell Nordirlands Rekordtorschütze David Healy, mittlerweile beim FC Fulham aktiv, nahm dabei am 2. Qualifikationsspiel im Windsor Park zu Belfast die hochfavorisierten Spanier sozusagen höchstpersönlich auf die Hörner, als er beim sensationellen nordirischen 3:2-Triumph im Herbst 2006 über die Iberer alle drei Treffer Nordirlands erzielte.

Auch die nicht minder favorisierten Schweden litten ein gutes halbes Jahr später unter dem Torinstinkt Healys bei ihrer 1:2-Pleite in Belfast. Dass er gegen Ljungberg, Ibrahimovic & Co. erneut beide Treffer markierte, dürfte kaum noch erwähnenswert sein. Doch trotz aller nicht möglich gehaltenen nordirischen Höhenflüge, auch Dänemark wurde ein Remis abgerungen, scheint die erste Qualifikations Nordirlands überhaupt für eine EM-Endrunde mit nunmehr acht Punkten Rückstand auf Rang zwei drei noch ausstehenden Spielen doch wohl nur ein Traum zu bleiben.

...platzte der nordirische EM-Ballon

Denn im Laufe der Qualifikation folgte Nationaltrainer Lawrie Sanchez nach den ganzen Erfolgen auf dem Qualifikationsparkett dem Ruf des FC Fulham in die Niederungen der englischen Premier League und seither erweckt „Norn Iron“ den Anschein, als wenn plötzlich aus dem prallen grün-weissen nordirischen EM-Ballon die Luft herausgelassen wurde. Unter Sanchez‘ Nachfolger Nigel Worthington konnten schlichtweg nicht mehr an die Triumphe unter Sanchez angeknüpft werden.

In den drei bisher absolvierten Partien unter dem nordirischen Altinternationalen (66 Einsätze) gelang einzig gegen Liechtenstein ein Sieg. Die wichtigen Gastspiele in Lettland und auf Island Anfang September wurden hingegen fahrlässig verloren und die das EM-Ticket damit vor den drei finalen Spieltagen in der Gruppe F, an denen die Elf um Goalgetter Healy nun zu allem Überfluß die Rückspiele in Schweden, das am morgigen Mittwoch stattfindet, daheim gegen Dänemark und in Spanien bestreiten muss, leichtfertig verspielt.

Krachen gelassen haben Nordirlands Kicker es zuletzt auch vielmehr neben dem Spielfeld. Nach der Pleite auf Island, das dank eines Eigentores von Keith Gillespie in der Schlussminute noch siegte, gerieten beispielsweise der Eigentorschütze und sein Teamkollege George McCartney im Flugzeug auf dem Rückflug von Reykjavik nach London zunächst verbal aneinander, um schließlich die Fäuste den kleinen Hahnenkampf entscheiden zu lassen…

Damit haben beide freilich etwas mit jenem George Best gemeinsam, der es bekanntlich auch gern abseits des Spielfelds krachen lassen konnte. Doch das ist ja nicht das einzige, was Bests Nachfahren mit dem großen Georgie gemein haben. Dieselben Träume haben sie ja auch noch…

Der Artikel ist ebenso auf Goal.com zu finden

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