Donnerstag, 23. August 2007

Zum Dinner in Wembley

Es war gestern ein feiner Abend für Jogis junge Löwen im niegelnagelneuen Wembley-Stadion in London. Sogar die Kanzlerin nahm extra neben Britanniens neuem Premier Gordon Brown auf der Ehrentribüne, unweit vom Kaiser, Platz. Im ewigjungen Prestigeduell siegte Löws Notelf bei den zahnlosen drei englischen Löwen nach großen Kampf mit 2:1. Zugleich war es in gewisser Hinsicht im abendlichen Londoner Nieselregen auch ein „Schalker Abend“, nachdem der deutsche Sturmführer Kevin Kuranyi den Ausgleich nach der Lampard-Führung erzielte und Debütant Christian Pander seine Länderspielpremiere mit einem satten Linksschuss krönte.

Angesichts dieses feinen Abends für Jogis Löwen überschlug sich heute die englische Presse, von der Beckham & Co. nach der Pleite im Klassiker ihr Fett abbekam. Während der Independant noch von einer „Nacht des Horros“ schrieb, nahm die Sun in gewohnter Manier kein Blatt vor den (Zeitungs-)Mund:

„Was für ein Haufen Sch....!, unglaublich beschämend. Eine weitere widerwärtige Niederlage gegen eine Mannschaft, die alle Topstars - die
Ballacks, die Kloses und die Podolskis - zu Hause gelassen hat. () England flößt keinem mehr Angst ein - abgesehen von Fußball-Zwergen wie Andorra und Estland.“

Der Daily Mirror fragte hingegen Englands Torhüter Paul Robinson, der sich vor dem Ausgleich bei einer Schneider-Flanke gehörig verschätzte, in Anspielung auf die beiden Patzer seines deutschen Torhüterkollegen in Arsenals Auftaktpartien in der Premier League hämisch: „Hast Du Dich als Lehmann verkleidet?“

Besser als geschmeckt als den Gastgebern hat das Dinner in Wembley somit deren deutschen Gästen, die sich dank des Abschiedsgrußes von Didi Hamann zum einen letzte Sieger im alten Wembley und zugleich erste Sieger im neuen nennen dürfen. Es scheint, als war das Wembley-Tor von 1966 eine Art Büchse der Pandora für das Mutterland des Fussballs, sofern jedenfalls die deutsches Nationalelf in Wembley zu Gast ist.

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