Freitag, 3. August 2007

Treu, treuer, Theo

Leyton Orient ist einer von vielen Profivereinen aus London. Thor Waterschei-Blogchef Björn Hoeftmann schreibt auf Goal.com regelmäßig über das Geschehen bei dem englischen Drittligisten und letzten Club des früheren englischen Weltklassetorwarts Peter Shilton und fragt sich auch künftig im Thor Waterschei-Klubhaus: „Wo steht Leyton Orient?“


Ein Hauch Premier League-Luft wehte kürzlich zweimal durch Leytons Orients Matchroom Stadium an der Brisbane Road im Osten Londons. Tottenham und West Ham United statteten ihrem drittklassigen Nachbarn aus dem East End jeweils einen 90-minütigen Testspielbesuch ab.

Ein Hauch Premier League-Luft...

Während Tottenham Leyton Orient mit einem 4:2-Erfolg recht standesgemäß in die Knie zwang, taten sich die Nachfahren des legendären Bobby Moore bei einem 1:1-Remis ungleich schwerer. Gleichwohl hat Leyton jedoch insbesondere mit den „Hammers“ bis auf die Tatsache, dass beide aus Londons berüchtigtem East End stammen, derzeit allerdings recht wenig gemeinsam. Trotz des 1:1-Remis trennen Orient und West Ham nicht nur wegen ihrer Klassenzugehörigkeit Welten.

Während West Ham, auch dank seines finanziell überaus potenten isländischen Klubchefs Magnusson, ohne große Umschweife für seine millionenschweren Transfers Freddie Ljungberg von Arsenal, den Waliser Craig Bellamy oder Newcastles Ex-Kapitän Scott Parker gewaltig sein pralles Portemonnaie öffnen konnte, muss Leyton Orient hingegen für neue Spieler jeden Penny gleich mehrmals umdrehen.

Die Aufgabe erneut eine schlagkräftige Mannschaft auf die Beine zu stellen, die ebenso wie im Vorjahr in Englands dritter Profiliga, der Coca Cola League One, zumindest Rang 20 und damit abermals den Klassenerhalt nach den 46 Punktspielen erreicht, wurde an der Brisbane Road jedoch erheblich erschwert. Denn für Orients Verhältnisse musste der Klub einen gewaltigen Spielerexodus über sich ergehen lassen, obschon bei dem Klang nachfolgender sechs Kicker im Mutterland des Fussballs wohl einzig die hartgesottenen Orient-Fans so wirklich aufhorchen.

Orient mit Spielerexodus

Aber für Londons zweitältesten Klub, der nach elf Jahren in der vierten englischen Liga über jeden Ballkontakt in der Coca Cola League One froh ist, waren Kicker wie John Mackie (FC Brentford), seines Zeichens Ex-Kapitän und kopf- und zweikampfstarke Abwehrrecke, Glyn Garner (Shrewsbury Town), einmaliger walisischer Nationalkeeper und reaktionsschneller Elfmetertöter in Personalunion, Gary Alexander (FC Millwall), die nicht mit John Hartson zu verwechselnde torgefährliche Sturmkante, sowie Craig Easton, der gebürtige Schotte mit den zuweilen für britische Verhältnisse durch filigranen Spielmacherzügen, wenn man so will Gold wert!

Nicht zu vergessen in dieser Reihe ist ferner Leytons ehemaliger linker Außenverteidiger Matt Lockwood, der mit einem guten Dutzend Toren gar in der letzten Saison zum Torjäger der O’s avancierte und sich trotz gerade erst verlängerten Vertrags von Nottingham Forest, dem in die dritte Liga abgerutschten Ex-Europapokalsieger, unter Vertrag nehmen ließ. Kein Wunder, dass die treuen Anhänger der O’s angesichts dieses Aderlasses zunächst einmal schlucken mussten.

Da war es schon in gewisser Hinsicht überaus nebensächlich, dass beinah täglich in der Londoner Nachbarschaft nicht nur bei West Ham, sondern auch bei Chelsea, Arsenal oder Tottenham das Echo klingelnder Transferkassen bis in die Brisbane Road hallte. Denn mit seinen großen Nachbarn kann sich Leyton Orient finanziell eh nicht messen. Aber so ist er nun einmal, der schnelllebige Profi-Fussball. Ein einziges Kommen und Gehen. Treu ergeben ist Orient jedoch „Theo“.

Treu, treuer, Theo

Wessen Herz nun etwas schneller pocht, weil er denkt, Leyton Orient hätte sich (zumindest leihweise) einen gewissen Theo Walcott von Arsenal geangelt, der darf sich schnell wieder beruhigen. Denn soweit im Leyton Orient die Rede von „Theo“ ist, handelt es sich um einen sympathischen roten Drachen, der sozusagen Jahr ein Jahr aus seinen „Dienst“ als Leytons Maskottchen schiebt. In dem schmucken Wappen der O’s ist zwar noch ein zweiter „Artgenosse“ zu finden, im Innenraum des Matchroom Stadiums darf es hingegen nur einen geben - „Theo“.

Da kann es vor einem Heimspiel sogar durchaus vorkommen, dass Leytons treuer Talisman zunächst penibel den Rasen inspiziert und danach zur Freude der Zuschauer vor der altehrwürdigen Sitzplatztribüne East Stand auf dem Rasen sitzend den Ball jongliert. Leytons Coach Martin Ling hat die Fähigkeiten von „Theo“ freilich noch nicht für seine O’s in Anspruch genommen. Dafür lotste er indessen mit Paul Terry keinen Geringeren als den älteren Bruder von John Terry, dem berühmt-berüchtigten Kapitän der „Three Lions“ und vom FC Chelsea, zu Leyton Orient.

Terry-Bruder Orients „Königstransfer“

Der Wochenlohn des guten Paul, der vom Ligakonkurrenten Yeovil Town kommt und im defensiven Mittelfeld Leytons klare Pässe spielen, rackern und bisweilen die Grätsche auspacken soll, ist natürlich ungleich geringer als der seines erheblich talentierteren Bruders. Dennoch stellt seine Verpflichtung insofern Leytons „Königstransfer“ unter den bislang sechs getätigten Neuverpflichtungen dar, soll Terry doch der neue Kopf des Orient-Mittelfelds werden. Das könnte natürlich obendrein einen angenehmen Nebeneffekt haben, wenn sich das eine oder andere Mal sein Bruder John auf der Tribüne des Matchrooms Stadium blicken lässt. Man stelle sich hier einmal vor, Leyton hätte im Januar zudem den Bruder von Didier Drogba nach dessen Probetraining unter Vertrag genommen.

Wie dem auch sei, vielleicht unterstützt der gute John Terry ja gelegentlich den sympathischen „Theo“ in seiner Funktion als Talisman der O’s. Mehr denn je wird man wahrscheinlich künftig an der Brisbane Road diese Unterstützung brauchen. Denn bereits die Erfahrungen der vergangenen Saison lehren, wie schnell der Orient-Express in Englands unberechenbarer dritter Liga, in der neben Nottingham Forest demnächst auch nicht unbekannter Klub namens Leeds United sein Unwesen treiben wird, in Richtung Tabellenende und womöglich zurück in den Bahnhof der vierten Liga rauschen kann. Aber eines wäre selbst im Falle des Abstiegs gewiss: „Theo“ wird auch dann seinen O’s die Treue halten…let’s go Leyton Orient!

Der Artikel ist ebenfalls auf Goal.com zu finden.

Keine Kommentare: