Dienstag, 21. August 2007

Linksaußen?

Beinahe jedes Kind kennt Diego Armando Maradona. Ob er jetzt der beste Fußballer aller Zeiten ist, sei mal hier dahingestellt. Was nicht jedes Kind auf den ersten Blick im Angesicht seiner einstigen Spielkunst realisieren konnte: der gute Diego, war mit einem zwinkernden Auge gesagt, der „linke Fußballspieler“ schlechthin.

Ebenso wie Maradonas kunstvolle Gewandtheit im Umgang mit Ball und Gegner für alle da war, nicht nur für ausgewählte Pro- und Antagonisten seiner Zeit, die ihm auf den Tribünen und vor den Fernsehschirmen der Welt bei seinem Tun auf dem Rasenrechteck zusahen, unterhielt der 165 Zentimeter kleine „Pibe de oro“ (Goldjunge), auch nachdem seine Stiefel und seine Rolle als Spielmacher zugleich an den Nagel gehängt hatte, mit seinen Torheiten außerhalb des Rasens.

Insofern lässt sich Maradonas ästhetisches Spiel recht gut unter die Theorie seines Landsmannes César Luis Menotti vom „linken und rechten Fußball“ subsumieren. „El Flaco“ (der Dürre), der Maradona Ende der Siebziger erstmals in die „Albiceleste“ berief, sinnierte in diesem Zusammenhang, das der linke Fußball der Ästhetik zugewandt sein, der rechte hingegen vielmehr der Gewinnmaximierung. Maradona stand insofern im Zentrum der Theorie des vom intellektuellen Menotti hergeleiteten linken Fußballs.

Gleichwohl ist Maradona jedoch die theorieimmanente Antithese, was er am Sonntagabend in der TV-Show „Alo presidente“ (Hallo Präsident) des venezolanischen Präsidenten Hugo Chavez offensichtlich darlegte. Zum einen bestätigte der Ex-Spielmacher seine politische Grundhaltung als politischer Linksaußen, indem er jenen Chavez und Fidel Castro bedeutungsschwer zu seinen politischen Idolen ausrief und sogleich seinen Ressentiments gegenüber George Bush Ausdruck verlieh.

Zum anderen vergaß Maradona ebenfalls nicht, sich selbst zu huldigen, indem gegenüber seinem Gastgeber gemäß dem „Guardian“ von seinem Handtor im WM-Viertelfinale 1986 gegen England schwelgte und gemeinsam mit Chavez über seine „Tat“ spottete. Er habe nach dem Treffer seine Mitspieler zum ausgelassenen Jubel aufgefordert, damit der Schiedsrichter das Tor nicht aberkennt, erklärte Maradona dabei sichtlich zufrieden.

Dadurch hat sich der wortgewaltige politische Linksaußen allerdings selbst als „rechter Fußballer“ entlarvt. Frei nach Menotti geht es beim rechten Fußball viel um Opfern und Arbeit. Ferner wirft der rechte Fussball den Blick nur auf das Resultat, er degradiert die Spieler zu Söldnern des Punktgewinns. Durch sein „Handtor“ hat sich Maradona demgemäß schon vor 21 Jahren zu einem solchen Söldner degradiert. Zu Chavez’ verbalen Söldner hat es der gute Diego nun immerhin auch schon gebracht. Hand drauf, oder Diego?

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