Montag, 20. August 2007

Didis Abschiedsgruß

England und Deutschland treffen am Mittwochabend erstmals im neuen Londoner Wembleystadion aufeinander. Didi Hamann trägt zwar nicht mehr den deutschen Dress, ist aber dennoch auch im neuen Wembley allgegenwärtig, war der Mittelfeldakteur von Manchester City doch derjenige, der am besagten 7. Oktober 2000 das letzte Tor im alten Wembley erzielte und somit an die altehrwürdige Arena seinen „persönlichen Abschiedsgruß“ schickte…

England gegen Deutschland, das ist bei jedem Aufeinandertreffen ein prestigeträchtiger Klassiker, insbesondere wenn der Schauplatz des ewigjungen Duells das Londoner Wembleystadion ist.

Alter Mythos auch im neuen Wembley?

Das alte Wembley wurde bekanntermaßen durch einen schmucken Neubau ersetzt. Doch auch wenn die Steine von Englands Fußballpalast ausgetauscht wurde und die Arena mit dem charismatischen Bogen, „the Arch“, mittlerweile höchsten internationalen Standards genügt, von seinem Mythos scheint Wembley wenig verloren zu haben. Der alte Mythos wird sozusagen auch ins neue Wembley fortgetragen. „Wembley ist die Kirche des Fußballs. Es ist die Hauptstadt des Fußballs und es ist das Herz des Fußballs,“ sagte einst kein Geringerer als der große Pelé – und das soll auch so bleiben.

Das deutsche Fussballherz pulsiert beim Anblick des legendären „Wembley-Tores“ von Geoff Hurst auch heute noch, obschon inzwischen über 41 Jahre vergangen sind. Hursts Schuss in der Verlängerung des 66er-Finales, der dank einer folgenreichen optischen Täuschung des sowjetischen Linienrichters Tofik Bachramow zum Tor avancierte, ist noch heute unvergessen. Ebenso wie der Abgang des zutiefst betrübten Uwe Seeler nach diesem verlorenen Endspiel, der in Begleitung eines ihn aufmunternden englischen Bobbys mit gesenktem Haupt das Spielfeld des alten Wembleystadions verließ.

Gleichwohl brauchte die deutsche Fußballseele viele Jahre, um diesen „Wembley-Schock“ zu verdauen. Beinahe naturgemäß klappt das am besten mit epochalen Siegen an selbigem Schauplatz. Triumphe in Wembley beim englischen „Erzfeind“, wie jener erste Sieg auf englischem Boden überhaupt für eine deutsche Nationalmannschaft im April anno 1972 oder auch der Sieg im Elferkrimi des Halbfinales der Euro 1996 sowie Olli Bierhoffs historisches Golden Goal im anschließenden Endspiel dieser Euro gegen Tschechien taten ihr daher besonders gut.

Didi Hamann allgegenwärtig

Endgültig kuriert hat sich die deutsche Fußballseele aber wohl an jenem 7. Oktober 2000, als die von Rudi Völler trainierte deutsche Elf bei den „Three Lions“ in der Qualifikation für die WM 2002 antraten und bereits vorher feststand, dass das altehrwürdige Rund des Wembleystadion abgerissen würde und der englisch-deutsche Klassiker die finale Partie des alten Wembleys vor dem Abriss war.

Es war ausgerechnet England-Legionär Didi Hamann, der damals den roten Dress des FC Liverpool trug und mit seinem strammen Distanzschuss aus dreißig Metern nicht nur für das einzige Tor des Tages an diesem verregneten Bilderbuchoktobertag sorgte. Hamann erzielte damit sogleich das allerletzte Tor im alten Wembleystadion, welches sozusagen den deutschen Abschiedsgruß an die „Kathedrale des englischen Fußballs“ darstellte.

Die Tage des inzwischen 34-jährigen Didi Hamann, der auf der Insel für Manchester City dem runden Leder noch immer hinterher jagt, in der deutschen Nationalelf sind nach 59 Länderspielen zwar mittlerweile gezählt. Doch jedes Mal, wenn sich nun Wembleys neue Pforten für die DFB-Elf gegen England abermals zum Klassiker öffnen, ist Didi Hamann in gewisser Hinsicht doch mit dabei.

Denn sein historischer Abschiedsgruß gehört irgendwie genauso zum alten wie auch zum neuen Wembley und der Klang des Hamannschen Grußes dürfte künftig vor deutschen Gastspielen in der neuen hochmodernen Arena regelmäßig ertönen.

Der Artikel ist ebenfalls auf Goal.com veröffentlicht.

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