Sonntag, 22. Juli 2007

Halbstarke

HSV-Legende Uwe Seeler prophezeite seinen Erben mit der Raute auf der Brust vor deren Drittrundenhinspiel im UI-Cup im moldawischen Chisinau einen heißen Tanz. „Nur echte Männer werden die Hölle von Chisinau überstehen,“ unkte „Uns Uwe“ daher ehrfürchtig mit erhobenem Zeigefinger vor dem Trip in Moldawiens Kapitale. Wollte der von zahlreichen Europapokalabenden gestählte „Seher“ Seeler nur seine Erfahrung weitergeben oder hatte er sich gar mit der Chronik der Stadt befasst, die sich laut allwissendem Wikipedia eingedeutscht Kischinau und auf russisch Kischinjow schimpft?

Dereinst besaß die Stadt im großen Russischen Reich nämlich gar keinen guten Ruf und diente vielmehr als Strafversetzungslager für Unzufriedene und Aufmüpfige. Einer von ihnen der russische Nationaldichter Alexander Puschkin nörgelte etwa nach seiner Verbannung an die Stadt am Bik Anfang des 19. Jahrhunderts: „Verfluchte Stadt Kischinjow, die Zunge wird nicht müde, Dich zu beschimpfen.“ Der nach seiner
„Katastrophensaison mit Happy-End“ (HSV-Boss Hoffmann) in den Strohhalm-Cup strafversetzte HSV hätte also auf seinen „Seher“ Uwe Seeler hören sollen.

Denn dessen Vorhersagen sollten sich zumindest teilweise bewahrheiten. Es ging hoch her in der Zimbru-Kampfbahn, vor allem nachdem die Hausherren von Underdog Dacia dem HSV in der achten Minute eine ganz kalte Dusche verpassten und plötzlich in Führung gingen. HSV-Kapitän Van der Vaart war es dann schließlich, der den Rothosen im weiteren Spielverlauf mit seinem Elfmetertreffer eine komplette Blamage ersparte. Waren das also die echten Männer, die „Uns Uwe“ zuvor gefordert hatte? Die Ausgangsposition fürs Rückspiel stimmt immerhin. Huubs HSVer dürften damit zumindest als Halbstarke durchgehen...

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