Mit Dario Gradi, der beim englischen Drittligisten Crewe Alexandra über 24 Jahre als Trainer auf der Bank saß, ist Englands dienstältester Trainer von der Seitenlinie abgetreten. Stattdessen fungiert der 65-Jährige künftig in dem englischen Traditionsverein als technischer Direktor. In dieser Hinsicht ist die Bahn nun sozusagen frei für einen gewissen Sir Alex Ferguson, der bei Manchester United in sein 21. Dienstjahr geht und von seiner Pension bekanntermaßen noch nicht allzu viel wissen will…
Das Drehbuch zu dieser Geschichte schrieb nicht Freddie Frinton. Wohl vielmehr das Leben oder zumindest der Fussball-Gott. Beim englischen Drittligisten Crewe Alexandra, Anfang der achtziger Jahre als einer der schlechtesten englischen Fussball-Clubs verschrieen, der sich lediglich dank Ausnahmegenehmigungen in Englands vierter und damit untersten Profiliga halten konnte, ist das so genannte „Dinner for One“ auf der Trainerbank gegessen.
Dario Gradi, seit sage und schreibe 24 Jahren auf der Trainerbank von Crewe Alexandra aus der nordwestenglischen Grafschaft Cheshire sitzend, ist dort als Coach des Clubs abgetreten. Der italienischstämmige und mittlerweile 65-Jährige hatte im Juni 1983 seinen Dienst angetreten und sich nicht nur als exzellenter Taktikfuchs sowie vor allem als Förderer auch zuweilen verkannter britischer Talente auf der Insel einen Namen gemacht.
Ferner er führte er Crewe in Englands unteren Ligen zu ungeahnten Höhenflügen. Statt stets am Abgrund von Englands vierter Liga zu stehen, wusch Crewe in der Ära Gradi seinen Ruf rein, schaffte es bis in die zweite englische Liga und imponierte landesweit mit seiner guten Jugendarbeit.
Namhafte Kicker wie Englands Ex-Kapitän David Platt, Geoff Thomas, die nordirische Celtic-Legende Neil Lennen, der giftige Waliser Robbie Savage oder auch zuletzt West Hams ebenso bulliger wie talentierter Mittelstürmer Dean Ashton gingen zudem aus Gradis Schule hervor. Die von Gradi angetriebene Nachwuchsförderung stand dabei stets im Zeichen seiner Philosophie, schnellen attraktiven und passorientierten Fussball zu spielen. „High up“ würde Arsenals Coach Arsène Wenger diese Strategie wohl nennen.
Gradis Äquivalent in Deutschland als Verfechter des modernen und gepflegten Fussballs ist insofern der ehemalige Freiburger Trainer Volker Finke, der seinem SC Freiburg ebenfalls seinerzeit das Prädikat „Ausbildungsverein“ auf die Fahnen schrieb. Gleichwohl ist der Generationenwechsel an der Gresty Road in Crewe doch etwas sanfter geglückt als im Südbadischen.
Während Finke kürzlich doch reichlich verbittert Abschied nahm und dieser eine ganze Region in zwei Lager spaltete, stellten die „Railwaymen“ (Eisenbahner) gemeinsam mit Gradi die Weichen für eine Zeitenwende an der Seitenlinie ungleich geschickter. Dario Gradi machte freiwillig Platz für seinen Nachfolger und langjährigen Vertrauten Steven Holland, dem Leiter von Crewes so erfolgreicher Jugendakademie. Holland selbst ist schon seit 1992 in dem Club und soll die Gradi-Philosphie wie ein Schwamm aufgesogen haben.
Der einst von der Queen aufgrund seiner Verdienste zum Mitglied des britischen Ritterordens Erkorene wird Crewe Alexandra aber nicht völlig verlassen und stattdessen in seinem Karriereherbst den etwas ruhigeren Posten des technischen Direktors besetzen. Gradi begründete seinen Rückzug damit, dass er halt nicht noch als 75-Jähriger rund 52 Wochen im Jahr als Trainer arbeiten wolle.
Ganz wird der Club, der angeblich nach der früheren englischen Prinzessin Alexandra benannt ist, somit nicht auf seinen Dario Gradi verzichten müssen. Kann man sich dort allerdings auch nicht so wirklich vorstellen. Denn immerhin soll Gradi in den achtziger Jahren schon einmal für seine „Eisenbahner“ ein Angebot von Benfica Lissabon ausgeschlagen haben. Gradi weiß halt, wie man Weichen für die Zukunft stellt…
Dieser Artikel wurde ebenfalls auf Goal.com veröffentlicht.
Donnerstag, 12. Juli 2007
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