Donnerstag, 26. November 2009

Best of

Maradona good, Pele better, George Best. Gestern vor vier Jahren starb George Best.

Sonntag, 22. November 2009

Keine Hand Gottes

Allez, allez! La France fährt zur WM. Die irischen Harfen zetern seither unentwegt in Moll. Der Irish Examiner empörte sich gar über einen „Diebstahl am hellichten Tag“. Wenn es nicht schon schlimm genug gewesen wäre, als dass dieser Thierry Henry, die lebende Arsenal-Legende, die sich bislang wenig zu Schulden hat kommen lassen, seine Hand zur Vorbereitung des wichtigen Ausgleichstreffers in der Verlängerung genutzt hätte. Zunächst einmal bewahrte Monsieur Henry nach diesem dramatischen Relegationsabend von Paris einen Hauch von Anstand, indem er sich bei dem Inselvolk zumindest entschuldigte. Er plädierte in den vergangenen Tagen auf gewisse Weise verbal nach Canossa gehend sogar für ein Wiederholungsspiel.

Den tränengebeutelten Iren, dem reumütigen Sünder Henry, dem neuen T(h)or der Woche, und der nach Gerechtigkeit lechzenden Welt des Fußballs hilft dieses lamentierende Gebaren allerdings nicht viel. Die FIFA, auf ihrem hohen Schild stehend, versagte sozusagen im Handstreich diese Wiederholung. Dafür hat der Ire Damien Duff im Übrigen, wie das Blog Zum Runden Leder heute notiert, eine eigenwillige Erklärung. Die FIFA wolle die großen Mannschaften bei der WM, also auch Frankreich. Adidas sponsere diesen Wettbewerb, und sei französischer Ausrüster. Michel Platini habe ebenfalls grossen Einfluss. Wenn die WM von Umbro (dem irischen Ausrüster) gesponsert wäre, hätten die Iren dieses Spiel gewonnen.

Doch Duff hin, der zufällig einen Privatschuhvertrag mit der 3-Streifen-Marke abgeschlossen haben soll, Duff her - das NO der FIFA ist unumstößlich. Die irischen Harfen werden weiter wimmern. La France weiter in der Schmach von Mittwochnacht versinken , dass es selbst eine Frage der Zeit war, bis Monsieur Sarkozy den Iren sein Bedauern ausdrückte. Der grüne Fleck dieser Nacht wird freilich nicht mehr gänzlich von der glanzvollen Karriereweste des Thierry Henry zu tilgen sein. Doch wie wohltuend, dass er sich immerhin nicht auf die Hand Gottes berief. Zinedine Zidanes unaufgeregtes Wort sollte hierzu bei allem Schwermut vielleicht im Ohr bleiben: „Thierry ist kein Falschspieler. Der Regelverstoß ist immens, und er hat ihn begangen. Das ist für die Iren schwer, aber das passiert immer wieder. Man soll auch nicht übertreiben.

Über den T(h)or der Woche

Der Beitrag ist auch auf dem GOONERPORTAL zu finden.

Samstag, 21. November 2009

Falscher Franz?

Es ist schier unglaublich, welch hohe Wellen der neue Wettskandal im deutschen Fußball schlägt. Manch Kicker soll sich für eine für ihn reizvolle Summe erbarmt haben, mit einem Fehler ein Spiel zugunsten eines gewünschten Ergebnisses zu beeinflussen. Beispielsweise beim VfL Osnabrück scheint sich derzeit ein wenig die lila-weiße Plattentektonik zu verschieben, seitdem von der zuständigen Bochumer Staatsanwaltschaft die Namen der Kicker Thomas Reichenberger, Marcel Schuon und Thomas Cichon in diesem Zusammenhang erwähnt wurde. Diese drei vermeintlich schwarzen Schafe sollen gemäß der WELT in der abgelaufenen Zweitligasaison, die Osnabrück den Abstieg brachte, maßgeblich an der Manipulation der VfL-Partien gegen Nürnberg und Augsburg, die jeweils zu Niederlagen führten, beteiligt gewesen sein.

Ein paar Mal hat es mich in den letzten Jahren an die Bremer Brücke in Osnabrück verschlagen. Vor allem bei Flutlichtspielen entwickelte sich bisweilen eine fast "englische" Stimmung. Die lila-weiße Elf schien zumeist technisch ein wenig limitiert, glich die Defizite, seinerzeit angetrieben von Ex-Trainer Pele Wollitz an guten Tagen durch Kampf, Biss und Leidenschaft wieder aus. Als einer der symbolhaften Hauptprotagonisten galt für mich jener Thomas Cichon. Der gab einen wenig sprintstarken Libero, dem Toni Polster zu seinen Kölner Zeiten den veritablen Spitznamen Franz verpasst haben soll, mit akzeptablen Auge und einer Affinität zu Diagonalpässen über das halbe Feld. Doch irgendwie hielt Cichon lange Zeit Osnabrücks Abwehr zusammen, auch wenn das Gestöhne auf den Tribünen der Bremer Brücke immer wieder ob seiner fehlenden Dynamik durchdrang.

Gut kann ich mich etwa erinnern, wie jener Cichon mal mehr mal weniger entscheidende Elfmeter für den VfL versenkte und sich danach stets ausgiebig auf dem Zaun vor der Osnabrücker Fankurve feiern ließ. Humba, humba, tätärä undsoweiter, das volle Programm mit Pauke undsoweiter eben. Es wäre für mich einfach unglaublich, wenn dieser langsame Libero Thomas Cichon, dieser elfmeterschießende Zaunkönig, tatsächlich jenes schwarzes Schaf, also ein falscher Franz, wäre, von dem die WELT bezugnehmend auf die Ermittlungen der Bochumer Staatsanwaltschaft berichtet. So platt es klingen mag: man schaut den Leuten halt doch nur vor den Kopp.

Dienstag, 10. November 2009

In Gedenken


The Lehmann Brothers

Jens Lehmann wird heute 40. Herzlichen Glückwunsch! Da hat es der einstige Nationaltorwächter doch endlich geschafft, die dinozoffeske Altergrenze seiner Zunft zu überschreiten. Dennoch vermuten wir gewiss nicht erst seit gestern, dass es womöglich gleich zwei von der Sorte Jens Lehmanns gibt? Lehmann Brothers?

Einen intelligenten, eloquenten und gut erzogenen Jens Lehmann neben dem Rasen und einen Mad Jens, einen Polarisator und Agent Provocateur, zwischen den Torpfosten. Auf eine kleinkarierte Chronologie der Abenteuer von Mad Jens, dem Kauz, der Type, des Originals, des Schnösels, soll gleichwohl verzichtet werden. Viel interessanter dürfte ein Blick auf den Zitatenschatz von und über den Jubilar sein. Daher elfmal Jens Lehmann bitte:

1. „Der Konjunktiv ist der Feind des Verlierers.“ [Lehmanns Sternstunde]

2. „Lehmann kann sich aufhängen. Kahn ist der bessere Torwart.“ [Kahnsinn? Sepp Maier verzettelt sich in einer Torwartdiskussion]

3. „Eine WM ist, wenn die besten Fußballer vieler Länder gegeneinander spielen, und Papa steht bei Deutschland im Tor.“ [Lehmann erklärt seinen Kindern und Sepp Maier die WM-Welt]

4. „Entspannt auf dem Rasen? Ich will gewinnen. Ich bin im Ruhrgebiet aufgewachsen: Da musst du kämpfen. Mit Nettsein und Entspannung kommst du nicht weiter. Ich wüsste gar nicht, wie ich auf dem Platz anders sein sollte. “ [Lehmann über Mad Jens]

5. „Eine Minute nach Spielende habe ich noch nicht die Intelligenz, um das Spiel zu beurteilen.“ [Lehmann beansprucht für sich Zeit zum Durchatmen.]

6. „Ich will jetzt nicht sagen, ich bin der tollste Torhüter. Aber ich habe bisher noch keinen kennen gelernt, der von seinem Können her kompletter ist als ich.“ [Lehmann kokettiert mit dem eigenem Komplettismus.]

7. „Ich behandele die Menschen so, wie ich auch selbst behandelt werden will. Jemanden hier zu haben der mich hasst, ist einfach unglaublich. Ich weiß, er hasst mich.“ [Manuel Almunia, Lehmanns Ex-Rivale bei Arsenal, weint sich im Guardian aus]

8.„Eher gelingt es, in der Wüste Fische zu züchten, als in der Champions League ein Tor gegen Jens Lehmann zu schießen.“ [Die tschechische Gazette Mlada fronta Dnes aalt sich in Vorfreude]

9. „Ein bisschen mehr Gelassenheit täte Jens ganz gut.“ [Ein im Glashaus sitzender Olli Kahn wirft mit Steinen.]

10. „Es ist mir egal, dass man mich komisch findet.“ [Lehmann lässt Kahns Steinchen abprallen.]

11. „Zu 95 Prozent steht für mich fest, dass ich Schluss mache. So ganz genau weiß ich es aber nicht. Vielleicht kommt noch was dazwischen. Zum jetzigen Zeitpunkt könnte ich locker weiterspielen.“ [Schlusslicht? Lehmann lässt sich ein Hintertürchen offen.]

Man muss mutmaßlich kein Prophet sein, um weisszusagen, dass es ohne die Lehmann Brothers im deutschen Fußball durchaus langweilig werden könnte...

Sonntag, 8. November 2009

Keine lahme Kritik

Alarmstufe Rot beim FC Bayern. Philipp Lahm hat der Süddeutschen ein offenes Inteview gegeben, in dem er sich u. a. kritisch mit der Transferpolitik und der Spielphilosophie des Rekordmeisters auseinandersetzt. Das keineswegs lahme Interview in vier Schlaglichtern:

1. Wenn man unsere Mannschaft mit anderen Topteams aus der Champions League vergleicht, dann sind diese eben auf sieben, acht Positionen strategisch erstklassig besetzt - und das fehlt uns. Wenn man sich mit Barcelona, mit Chelsea, mit Manchester United messen will - dann braucht man als FC Bayern eine Spielphilosophie. Das muss auch das Ziel des Vereins sein.

2. „Aber ich glaube, in der Vergangenheit lief das mit den Transfers nicht immer glücklich. Sicher lag es auch daran, dass wir in den letzten Jahren verschiedene Trainer mit verschiedenen Vorstellungen hatten. Aber man muss auch ganz klar feststellen: Vereine wie Manchester oder Barcelona geben ein System vor - und dann kauft man Personal für dieses System. Man holt gezielt Spieler - und dann steht die Mannschaft.“

3. „Auch Barcelona hat sehr, sehr viel Ballbesitz - aber sie haben eben auch Spieler, die sagen: ,Okay, jetzt geht's nach vorne.' Das ist das, was uns fehlt. Ich sehe unsere Spiele der letzten Wochen und frage mich: Wer soll das denn machen bei uns? Und jetzt haben wir ja nur über eine Position geredet. In der Bundesliga reicht es vielleicht, wenn du dort gut besetzt bist. Aber international brauchst du eben mindestens acht Spieler, die auf ihrer Position ausgebildet sind, Sicherheit haben und damit konkurrenzfähig sind. Ich sehe diese acht Spieler bei uns nicht, und das liegt nicht an den Spielern, sondern an der fehlenden Philosophie über die letzten Jahre.“

4. „Der Verein muss sagen, wenn ein Trainer kommt: So spielen wir. Bei Barcelona kommt doch keiner mehr auf die Idee, dass sie 4-4-2 spielen. Der FC Barcelona ist 4-3-3 - das ist einfach so! Wir dagegen haben jetzt viele Spieler, für die es in einem 4-3-3, das unser Trainer gerne spielen möchte, gar keine Position mehr gibt. Zum Beispiel unsere Stürmer. Wir haben wirklich gute Stürmer - aber beim 4-3-3 sitzen zwei, drei immer auf der Bank. Wenn ich einen Mario Gomez kaufe, muss ich sagen: Okay, dann spielen wir mit zwei Spitzen. Und wir haben ja auch in der gesamten Vorbereitung nur 4-4-2 gespielt. Und dann kommt plötzlich Robben, ein toller Spieler, der zu uns passt - und der am liebsten im 4-3-3 spielt.“

Was sagen die Blogger? Bayern-Blogger Breitnigge fragt sich etwa heute, ob sein FCB „kurz vor der Implosionsteht und kann Lahms Worten durchaus positive Aspekte abgewinnen.

[...] Davon abgesehen ist das Interview doch eher positiv. Er hält van Gaal für einen guten [...] und zum FC Bayern passenden Trainer. Nerlinger findet er gut und hält es sogar für möglich, dass die beiden – van Gaal und Nerlinger – Chance und Mut zur Veränderung beim FC Bayern haben. Sowas tut nun einmal weh. Veränderung. Und Angst kann/darf man davor auch haben. Das ist normal. Und ich denke, wir sollten dieses Risiko eingehen.Von daher: Wo ist das Problem? Mit diesem Interview?“

Was sagt Oliver Kahn?

Man merkt, dass es Unzufriedenheiten gibt. Bei den Spielern, bei den Verantwortlichen. Es kocht momentan. [...] Es ist wichtig, dass Spieler eine gewisse Verantwortung übernehmen. Das gehört zum Prozess, dass man mal aneckt und mal Tacheles redet. Das setzt Energien frei.

Was sagen Uli Hoeneß und Kalle Rummenigge?

Zur Kasse, bitte!

Hoch lebe Grafite

Als ich gestern Abend in der Sportschau sah, wie Wolfsburgs Grafite in der 58. Minute nach seinem Treffer gegen Hoffenheim auf dem Boden liegend sein Gesicht freudetrunken in den Rasen der Hoffenheimer Arena drücke, da habe ich einen kurzen Moment in die Hände geklatscht.

Diesem Grafite, dem neuen T(h)or der Woche, habe ich dieses Tor, das spätere Siegtor, durchaus gegönnt. Die Geschichte der Saison des amtierenden Schützenkönigs (28 Treffer) ist bekannt. Grafite trifft nicht mehr, wird ausgewechselt, legt sich mit dem neuen Trainer Armin Veh an, Grafite ist traurig und trifft daraus folgend nicht mehr in der Bundesliga, noch nicht einmal mehr die Wolfsburger Möbelwagen. Erst recht trifft Grafite nicht mehr in der Champions League. Dank Grafites Turbulenzen schien es bei diesem plastikhaften wie langweiligen VfL Wolfsburg ein wenig zu menscheln - wie gestern in jener 58. Spielminute in der Hoffenheimer Arena.

Nach einer Woche ihm vergönnten Heimaturlaub hat Grafite seinen Ladehemmung also besiegt, ist wieder glücklich, macht sein 3. Saisontor, lobt den neuen Trainer Armin Veh und wird vermutlich wieder regelmäßiger treffen. Erst in der Bundesliga, dann in der Königklasse. Die Möbelwagen der Autostadt lassen wir mal aus dem Spiel. Treffen, wie es öde Sat 1-Einspieler zur Champions League suggerieren, in dem Grafite den Ball bekommt und ihn ganz Tormaschine einnetzt.

Und wenn Grafites Tormotor erst wieder richtig zuckelt, dann dürfen wir uns vermutlich erneut darauf freuen, wie die Herren Kommentatoren aller Sender uns mit ihrer Interpretation der richtigen Aussprache seines Namens nerven. „Grafitsch“, „Grafitschi“ oder halt „Grafitä“. Das Gebaren gehört offenbar bei Treffern Grafites dazu, auch wenn das gar kein Grund ist, kurz zu klatschen.

Über den T(h)or der Woche

Samstag, 7. November 2009

Der gute Geist des Molineux

Der Samstag besitzt im Fußball beinahe sakrale Bedeutung. TW pickt sich regelmäßig in seiner Rubrik SATURDAY ein samstägliches Spiel aus der weiten Welt des Fußballs heraus. Heute: Die Wolverhampton Wanderers duellieren sich mit Arsenal am 12. Premier League-Spieltag. Business as usual, vor allem für Arsenal? Oh no, die beiden Klubs verbindet mehr als man denkt.

Für ein englisches Stadion besitzt der Name der Heimstatt der Wolverhampton Wanderers, gemeinhin „Wolves“ genannt, einen bemerkenswert frankophilen Klang - Molineux. Dort duelliert sich heute Abend Arsenal mit dem gastgebenden Premier League-Aufsteiger. Man wähnt sich zunächst eher auf der anderen Seite des Ärmelkanals als in dem Herzen der West Midlands, wo im 19. Jahrhundert eifrig Kohle und Erz abgebaut wurde. Zurück geht der ungewöhnliche Stadionname auf Benjamin Molineux, einen lokalen Kaufmann, dessen Familie französischen Ursprungs ist. Jener Molineux baute rund 150 Jahre vor der Eröffnung des später gleichnamigen Stadions anno 1889 auf dem heutigen Stadiongrundstück das in Wolverhampton bekannte „Molineux-Haus“.

Was das Molineux-Stadion aber mit dem FC Arsenal zu tun hat? Well, das lässt sich schnell klären. Zunächst einmal, wenn man Englands Fußball-Legende Billy Wright ins Spiel bringt. Wright ist erster Nationalspieler mit über 100 Länderspielen - lange vor den Shiltons, Charltons, Moores oder Beckhams – in die Ahnengalerie der „Three Lions“ eingegangen.

Sein ganzes langes Kickerleben verbrachte Wright bei den „Wolves“ und dem Klub etwa bei den drei einzigen Meistertiteln in der 132-jährigen Vereinsgeschichte als Kapitän vor. Zum Dank setzte man Wright in Wolverhampton nicht nur ein lebensgroßes Denkmal vor dem Molineux, zudem wurde auch eine Tribüne nach dem 1994 verstorbenen benannt. Vielleicht bleibt der stets rechtschaffene Wright damit so etwas wie der gute Geist des Molineux. Trotz aller Meriten schlugen bei Wright offenbar zwei Herzen in seiner Brust. Schon in seiner Jugend schwärmte er für Arsenal . Später schwang er dieser Jugendliebe frönend in Highbury, und nicht etwa bei seinen „Wolves“, von 1962 bis zu seiner Entlassung 1966 den Trainertaktstock. Den ließ er danach für immer fallen und kehrte nie wieder auf irgendeine Trainerbank, auch nicht zu jener Wolverhamptons, zurück.

Rückkehr ist an dieser Stelle ein ganz gutes Stichwort. Denn neben der Erinnerung an Wright verbindet Arsenal noch mehr mit Wolverhampton. Die Saison 2003/2004, nach der die Gunners-Granden wie Henry, Bergkamp oder Vieira ungeschlagen als „The Invincibles“ in den Premier League-Olymp aufstiegen. Erstmals seit dieser herausragenden Spielzeit gastiert Arsenal im Molineux. Der Kalender schrieb seinerzeit den 7. Februar 2004, Arsenal siegte nach Toren von Bergkamp, Henry und Toure souverän mit 3:1. Übrig geblieben von jenem Aufeinandertreffen sind nur noch zwei Protagonisten.

Auf Seiten der „Wolves“ ist es deren hartgesottener Kapitän Jody Craddock, der im Herzen von Wolverhamptons Abwehrzentrum steht und dort als „tough-tackling“ Turm in der Schlacht gilt . Auf Seiten von Arsenal Arsene Wenger. Mit mittlerweile 60 Jahren und allein 13 Dienstjahren bei den „Gunners“ hat der Elsässer schon einiges erlebt. Eine Niederlage in sechs Duellen mit den „Wolves“ gehört, wie die BBC zu berichten weiß, indes nicht dazu. Mal darf also gespannt sein, ob heute Wengers siebter Streich gegen die auf dem drittletzten Rang platzierten Wölfe folgt. Für die Gastgeber wäre dies im harten Abstiegskampf sicher zum Heulen, für Arsenal zweifellos ein Pflichtsieg.

Der Beitrag ist auch auf dem GOONERPORTAL zu finden.

Viel Rauch um nichts

Über Uwe Rapolder, den Trainer der zweitklassigen TuS Koblenz habe ich, soweit ich mich erinnern kann, noch kein einziges Mal gebloggt. Die passenden Anlässe fehlten, umkippende chinesische Reissäcke sind halt nicht so spannend. Das hat sich seit gestern ein wenig geändert, da wurde bei Spox.com ein Interview mit jenem Uwe Rapolder veröffentlicht. Der Zigarilloliebhaber, dem zugeschrieben wird, Fußball-Deutschland die Errungenschaft des Konzeptfußballs nahegebracht zu haben, ließ es dort ordentlich rauchen.

Neben falscher persönlicher Karriereplanung weiß Rapolder dort ein wenig überraschend ebenfalls die Brücke zu Jürgen Klinsmann zu schlagen, um diesen nebenbei aus der Trainergilde auszuschließen a la „ich bin Konzepttrainer und Du gar kein Trainer.“ Schaut man sich den gestrigen Freitagabend, wo Rapolder pikiert in Paderborn nach der 1:2-Pleite seiner TuS über seine Abwehr schimpfte und vom drittletzten Rang der zwoten Liga grüßt, scheint sein Interview-Gebaren in dieser Situation allerdings viel Rauch um nichts zu sein.

Rapolders mediale Raucherei vor allem etwas absurd, wenn man einen Blick auf Google-News wirft. In den rapoldergefilterten Schlagzeilen lässt sich etwa nachlesen, dass für Rapolder bald in Koblenz die Luft reichlich dünn werden kann. Aha. Welche Gemütsverfassung muss Konzepttrainer Rapolder im Übrigen erst vor gut einem Jahr verspürt haben, als die TuS beim 0:9 im Rostocker Ostseestadion die höchste Zweitligapleite aller Zeiten kassierte? Rasend in Rostock?

Freitag, 6. November 2009

Trio Infernale?

Jogis Löwen testen demnächst gegen Chile und die Elfenbeinküste. Hierfür hat sich Jogi Löw mit den Herren Hunt, Müller und Kießling ein Trio zum Testspielcasting ausgeguckt, über dessen Berufung sich so mancher ärgern könnte.

Die Engländer vielleicht im Falle Hunt. Nach ihrem Werben um den Bremer (→ On the Hunt) mit der englischen Mutter, der nach eigener Aussage, nur für den DFB auflaufen will, haben die Briten insofern auch von Jogi Löw reinen Wein eingeschenkt bekommen haben. Ein gewisser Uli Hoeneß könnte weiter über die Nominierung von Thomas Müller murren, worüber bei TW bereits erschöpfend (→ Über die Kirche im Dorf) gebloggt wurde. Wir behalten erst einmal seinen strengen verbalen Fingerzeig im Sinn: „Früher musste man ein Jahr so spielen, um nominiert zu werden.

Wäre da noch zu guter Letzt Stefan Kießling, der zu einer Art Martin Max-Verschnitt der Gegenwart auszuwachsen drohte. Es ließ sich durchaus gut an, über die Nichtberücksichtigung des blonden Torjägers aus Leverkusen den Kopf zu schütteln, um damit das gelegentliche Unverständnis über Löws mitunter vorkommenden Berufsungsirrungen im Angriff zu kompensieren. Mit Augenzwinkern gesagt, könnte so mancher Wohnzimmer-Bundestrainer nun ins Grübeln kommen, in welche Wunde als nächstes der Finger gelegt wird.

Ein Vorschlag: vielleicht zurück zur stets reizenden T-Frage? Denn wo hat Löw eigentlich in seinem Aufgebot Robert Enke versteckt? Skandal!

Dienstag, 3. November 2009

Yippi-Yippi-Yeah

Was macht eigentlich...Rüdiger Abramczik? Der frühere Flügelstürmer mit dem großen Talent und dem ebenso großen Nachhall eines nicht erwachsen werden wollenden Kindeskopfes ist ein Meistertrainer. Gewiss um den einstigen „Flankengott vom Kohlenpott“, der diesen Titel von Stan Libuda erbte, ranken sich einige Mythen. Fast wie bei Botanikfreunden die Pflänzchen von der Fensterbank.

Doch wärmen wir ruhig aus Abramcziks Zeit in den wilden Siebziger und Achtzigern die Geschichte auf, wie man im Kreise der Nationalspieler einen Western schaute und „Abi“ plötzlich aufgesprungen sein soll, sich wo auch immer ein Schaukelpferd herbeigeholt und ohne Umschweife darauf schaukelnd Yippi-Yippi-Yeah geheult hat. Die Nationalelf und Abramczik, eine seltsame Geschichte. In seiner besten Zeit bei Schalke erinnerte Abramcziks Zusammenspiel mit Fallrückzieherkönig Klaus Fischer ein wenig an die Symbiose zwischen Horst Hrubesch und Manni Kaltz. „Abi“ Flanke, Fischer Tor.

Nicht wenige hätten ihm als mitunter brillanten Rechtsaußen in der Libuda-Spur weit mehr als seine 19 Länderspiele zugetraut. Der spätere Bundestrainer Jupp Derwall nach Abis Debüt anno 1977 wohl am meisten, als er frohlockte: „Noch nie hat ein Spieler so ein überzeugendes Debüt gegeben wie Abi. Der hat Flanken für drei Länderspiele hereingegeben.“ Nachdem sich „Abi“ jedoch später mit DFB-Boss Neuberger überwarfen, kam ab 1979 keines mehr dazu.

30 Jahre später steht Abramczik zumindest für kurze Zeit wieder ein wenig im Rampenlicht der schnelllebigen Fußballwelt. Das alles deshalb, weil ihn seine abenteuerliche Trainerkarriere, die ihn über Stationen in Saarbrücken, Österreich, in der Türkei und Bulgarien im Sommer 2008 zum lettischen Klub Metalurgs Liepaja geführt hat. Dort fristete der Futbola Klubs Liepājas Metalurgs so etwas wie ein bayerleverkuseneskes Dasein und wurde seit 1998 stolze siebenmal lettischer Vizemeister.

Vor dem letzten Spieltag der sagenumwobenen lettischen Virslīga hat Abramcziks Eleven aber nun fünf Punkte Vorsprung vor Titelverteidiger FK Ventspils und darf uneinholbar sich bereits vorzeitig über die zweite lettische Meisterschaft in der Neunerliga feiern. Auf eine gewisse Weise scheint Abramczik also in den internationalen Fußball zurückgekehrt zu sein. Ob er ein andächtiges Yippi-Yippi-Yeah ausgestoßen hat ob der Tatsache, hierzu nicht eine einzige Flanke beisteuern zu müssen, ist allerdings nicht überliefert.

Der Beitrag ist auch auf FOOTBO.com zu finden.

Montag, 2. November 2009

„Das ist hier doch kein Freundschaftsspiel...“

Da zappe ich gerade ins DSF rein. Irgendwo hatte ich heute aus einer kernigen Zeitungsanzeige aufgeschnappt, dass die zweite Liga die Zweikampfliga sei. Da musste es doch zwischen Hansa Rostock und seinem „Lieblingsgegner“ FC St. Pauli hoch hergehen. Wir schreiben Minute 41. Und? Weit gefehlt.

In Anbetracht der Tatsache, dass Mikrofonmann Frank Buschmann zum belarethyesken Faktenapparat mutiert, mal wieder ein Montagsspiel zum Gähnen. Von wegen manic monday. Wenn nicht einmal der holde Buschi kurze Schreiattacken bekommt, außer einem kurzen scheinbar stilechtem Stöhner „Bruuuuuuuuns, Bruuuuuuuuuns, Waaaaalke, oooh“.

Doch das war es schon. Erweckender ist da doch der passende Pauli-Hansa-Clip von Extra 3, der im großen Youtube-Arsenal zu finden ist. Der Kommentator könnte glatt Gerd Gottlob sein, der aus der Rivalität zwischen Pauli und Hansa gleich die richtigen Schlüsse zieht: „Das ist hier doch kein Freundschaftsspiel...“

Stadionstadl?

Stadionstadl gefällig? Es geht um die Zahlung eines Pauschalbetrags für das Catering in der Münchner Arena. Gemäß der vertraglichen Übereinkunft müssen sowohl der FC Bayern als auch der TSV 1860 jährlich einen Fixbetrag von zwei Millionen Euro für die Verpflegung der Geschäftskunden auf den Business Seats zahlen müssen – unabhängig von Zuschauerzahlen oder Ligazugehörigkeit.

Das ist etwas, was die Sechziger dem Anschein nicht tun. So sollen die Sechziger, die sich in der Arena nur noch eingemietet sind, lediglich jene Business-Seats abrechnen, die tatsächlich besetzt sind.

Uli Hoeneß brüllte dazu in der tz wie ein Löwe: „Das ist Geld, das sie uns klauen.

1860-Geschäftsführer Stoffers brüllt zurück: „1860 soll allein für die Bewirtschaftung des Business-Bereichs bis 2025 über 40 Millionen Euro zahlen. Alle Versuche, den Vertrag den tatsächlichen Kräfteverhältnissen anzupassen, wurden kategorisch abgelehnt.“

Wenn die Münchner Luxus-Arena in Kürze ausschließlich rot leuchtet, könnte der letzte Vorhand dieses Stadionstadls vermutlich gefallen sein. Ob es ein Wink des Schicksal für die Löwen bedeutet, dass solche Vorhänge auch meistens rot sind? Könnte allerdings auch eine haltlose Vermutung ins Blaue sein.

Mittwoch, 28. Oktober 2009

Wimpel-Wednesday # 24: Racing Club de Avellaneda

Wimpel-Wednesday, Ausgabe 24. Den Racing Club de Avellaneda, diesen Traditionsklub aus dem Speckgürtel von Buenoes Aires, den hat WELT-Kolumnist Udo Muras heute noch als Borussia Mönchengladbach Argentiniens gepriesen. In welchem Zusammenhang? Natürlich mit Lothar Matthäus, der trotz zwischenzeitlicher Dementis mit den Argentiniern einen innigen Verhandlungstango getanzt hat. Doch mit Verlaub, es sollte ein Tango ins Leere werden.

Man muss es sich so vorstellen. Matthäus hat Racing auf der Tanzfläche stehen lassen, ist vor die Tür gegangen, um Racing per SMS mitzuteilen, nicht weiter tanzen zu möchten. Das alles, obwohl Matthäus bereits am Wochenende Racings wenig rassiges Spiel auf dem grünen Rasen allein durch seine Anwesenheit befeuern sollte. Glaubt man Stimmen aus Argentinien sollen Racing sogar bereits gewesen, alle vertraglichen Forderungen Matthäus zu erfüllen, inklusive Modelunterstützungsgedöns für Lothars Gattin.

Allerdings soll, wie Matthäus aber dem Kölner Express anvertraute, dass „Gesamtpaket “nicht gestimmt haben. Senor Matthäus wird doch nicht etwa beim Tangotanzen zwischen Tür und Angel jenen Katzenfluch aufgeschnappt haben, der auf Racing gelegen haben soll. Wie das löbliche Fachblog über Argentiniens Fußball Argifútbol jüngst zu berichten wusste, sollen an der endlos anmutenden Periode von 35 Jahren (1966 - 2001) ohne Meistertitel, sieben im Estadio Presidente Peron vergrabene Katzen Schuld gewesen sein, die die Anhänger des Erzrivalen Independiente willkürlich im Stadion vergraben hatten.

Dass es das Lothar Matthäus Racing Team nun nicht geben wird, könnte einen besonderen Grund haben. Senor Matthäus wird doch wohl nicht acht Jahre nach dem letzten Meistertitel im Racing-Rasen die nächste vergrabene Katze vermutet haben. Zum Trost hänge ich einen Racing-Wimpel in die Wimpelecke und bin durchaus erleichtert, in naher Zukunft nicht diesen orakelnden Satz von ihm hören zu müssen: „Ein Lothar Matthäus spricht bald argentinisch.“

Wer Interesse daran hat, die Wimpelromantik bei THOR WATERSCHEI zu unterstützen, der möge ein Foto eines Wimpels seines Lieblingsklubs mit dem Betreff WIMPELECKE an thor-waterschei@web.de mailen.