Mittwoch, 27. August 2008

Glück auf!

Sage und schreibe eine Woche ist es her, dass Jogis Löwen Belgiens Reserveelf mit Zwonull nach Hause schickten. Kevin Kurányi riss gegen die B-Belgier bekanntlich wie der Euro Null Acht keine allzu großen Bäume aus. Der skeptische Schalke 04-affine Zeitgenosse kratzt sich jetzt womöglich über die Ursache grübelnd fragend am Kinn. Doch die Antwort dafür liegt nahe - näher als der skeptische Schalke 04-affine Zeitgenosse beim andächtigen Kinnkratzen vielleicht glauben mag. Er muss sogar kaum in die Ferne schweifen. Denn genauer gesagt findet sich die Antwort im Gästebuch von Kurányis Homepage.

Es geht nicht etwa um den Eintrag, in dem der emsige Horst aus Ratingen anlässlich des Geburtstags seiner werten Schwester Hannelore dem guten Kevin eine E-Mail geschickt hat und für Hannelore um ein Foto nebst persönlicher Widmung des guten Kevin K. bittet. Nein, Stein des Anstoßes für dieses Posting war am Abend des Belgien-Länderspiels die Nachricht eines gewissen Marcel, seines Zeichens offenbar ein „Königsblauer“, der seinem Lieblingsspieler fürsorglich einen Friseur-Besuch nahelegte und die oben genannte Ursachenforschung somit auf recht einfache Weise abschloß:

„hallo kevin, habe mir gerade das länderspiel angesehen.dabei fiel mir auf, dass du viel zu oft deine haare richten mußtest. meine freundin und ich sind zu der bewertung gekommen, dass dich das vom spiel ablenkt und du so keine tore schießen kannst. damit du in dieser saison deinen torrekord brechen und uns zur meisterschaft schießen kannst. geh zum frisör! ;-) glück auf!“

Wimpel-Wednesday # 1: Sheffield Wednesday

Es ist Mittwoch! THOR WATERSCHEI führt nunmehr, wie bereits vollmundig angekündigt, ab heute den „Wimpel-Wednesday“ ein und präsentiert nun jeden Mittwoch in seiner neueingerichteten Wimpelecke Wimpel aus der weiten Welt des Fußballs.

Welch große Ehre daher, um einen einigermaßen phonetisch adäquaten Auftakt zu gewährleisten, ein ebenso fein gestreiftes wie gefranstes Wimpelexemplar von Sheffield Wednesday vorstellen zu dürfen.


Für potenzielle Unterstützer der Wimpelromantik bei THOR WATERSCHEI: Mail nebst entsprechender Anlage mit dem Betreff WIMPELECKE an thor-waterschei@web.de schreiben.

Durchs wilde Usbekistan

Was macht eigentlich...Rivaldo? Genau, wer die Meldungen der vergangenen Tage gut studiert hat, weiß, dass Herr Rivaldo Vítor Borba Ferreira anstatt seinen Fußballerherbst in Griechenland bei AEK Athen zu genießen, demnächst für keinen geringeren Klub als Cashpoint Altach, nein Verzeihung, Bunyodkor Taschkent durch die sagenumwobene Uzbek League dribbeln wird. Jenes Bunjodkor Taschkent, das noch unter dem Namen PFC Kuruwtschi firmierend, vor wenigen Wochen einen gewissen Herrn Eto'o umgarnt hatte.

„Ich bitte die AEK-Fans um Verzeihung. Es ging alles sehr schnell, aber ein solches Angebot konnte ich einfach nicht ausschlagen. Niemand an meiner Stelle hätte das tun können“, entschuldigte sich der einmalige Weltfußballer und Weltmeister vom Zuckerhut dafür, dass er dank des offenbar zu großzügigen Angebots des usbekischen Vizemeisters, der ihm angeblich zehn Millionen Euro für zwei Jahre zahlen will, für seine eigene kleine Fußballerrente sorgen möchte. Man darf gespannt sein, ob wohl der olle Ronaldo demnächst zum Probetraining nach Taschkent geladen wird.

Montag, 25. August 2008

Reif fürs Multitasking

Der Samstag besitzt im Fußball beinahe sakrale Bedeutung. THOR WATERSCHEI pickt sich regelmäßig in seiner Rubrik SATURDAY ein samstägliches Spiel aus der weiten Welt des Fußballs heraus. Heute: Die verbale Sternstunde von „Kommentatorenzeus“ Marcel Reif, während des samstäglichen Gastspiels von Schalke 04 bei Werder Bremen.

84. Spielminute im regenerischer Bremen. Die Anzeigetafel des Weserstadions zeigt den Stand von eins zu null für Werder. Und Marcel Reif? Na klar, kommentiert den Schlagabtausch, wie gewohnt aus spitzem Winkel und mit ebenso spitzer Zunge. Da Reif bekanntlich nicht auf den Mund gefallen ist, kann er natürlich auch schimpfen wie ein Rohrspatz und ließ sich verbal frei nach den Worten von 11 FREUNDE gegenüber einem Journalistenkollegen mit Konfirmandenblase, der ihm die Sicht versperrte, „etwas gehen“. Wer also von Herrn Reif ein zischendes „Wir arbeiten - schleich dich, lass mich gucken. - Arsch“ vernimmt, hört richtig.

Nicht vergessen sollte man bei allem kleinkariertem Echauffieren allerdings, dass Herr Reif den von ihm sorgsam zu kommentierenden Schalker Ausgleichstreffer von Herrn Westermann in Minute 85 offenbar, wie sacht man so schön, schon „im Urin hatte“ und ihm während des ganzen Lavierens für den Tagesspiegel bis circa Viertel nach Fünf zusätzlich noch seine informative LIVE AUS DEM STADION-Kolumne brühwarm aus der Feder fließen musste. Reif fürs Multitasking muss man da wohl anerkennend resümieren...




* Linktipp für Dreizwoeins Möchtegern-Kalle Rummenigges, die sich reif genug für Reif finden und nebenbei genügend Taler im Portemonnaie haben...

Sonntag, 24. August 2008

Hunderteinunddreißig

THOR WATERSCHEI musste an diesem Sonntag bei dem Ritual, den T(h)or der Woche zu ernennen, übrigens weder Haarproben nehmen noch über Scherben laufen. Ein Blick in die Sonntagsgazetten zur Entscheidung für Christoph Daum, den so genannten „Messias“ des kölschen Fußballklüngels, genügte. Indem Daum heute einfach beim einszueins seines EffZehs in Müngersdorf gegen Eintracht Frankfurt auf der kölschen Trainerbank saß beziehungsweise vor dieser in seinem schmucken Zwirn gestikulierte, überholte er Hennes Weisweiler als Rekordtrainer des ersten EffZeh Köln.

Daum wirbelte nun bereits 131 Mal in der Bundesliga an der Kölner Seitenlinie, während es Weisweiler, laut Herrn Overath „der größte Trainer, den der FC je hatte“, auf 130 Spiele als Kölner Coach brachte. Er bewundere ihn (Weisweiler) bis zum heutigen Tag, flüsterte Daum zuletzt der BILD zu. Nicht verwunderlich, sicherte Weisweiler doch dem EffZeh mit dem 78er den größten Erfolg der Vereinsgeschichte. Von dem Double ist Daum freilich dreißig Jahre noch weit entfernt. Aber grundsätzlich ist beim neuen kölschen Rekordtrainer ja alles möglich, auch solch weisweilereskes...

Von flotten und weniger flotten 45ern

Die werte Bundesliga ist ein gefühlter Evergreen wird aber heute erst 45 Jahre alt. Dabei wirkt sie so jung und frisch wie am ersten Spieltag, den es am 24. August 1963 zu bewundern gab. Das historische Tor markierte bekanntlich der damalige Dortmunder Timo Konietzka nach 50 Sekunden beim Gastspiel seines BVB im Bremer Weserstadion.

Den Schwarzgelben nutzte dieser Blitzstart bei den Hanseaten in der Nachbetrachtung zwar nicht allzu viel, drehten die Bremer den Spieß noch zu einem 3:2-Sieg um. Aber Konietzka sicherte sich nebenbei sein Plätzchen in den Geschichtsbüchern der Bundesliga , auch wenn es keine Filmaufnahmen von dem Treffer gibt. „Ich habe alles versucht, es gibt keine TV-Bilder. Nur ich und die Zuschauer im Stadion können sich daran erinnern“, meinte Konietzka jüngst, der am 1. August übrigens seinen 70. Geburtstag feierte.

Anhand von Konietzkas aufschlußreichem Kommentar zu seiner Sternstunde müssen sich die nachfolgenden Generationen das kommentiert es so:
„Anstoß, Franz Brungs wurde zuerst angespielt, von ihm kommt ein Pass auf die linke Außenseite zu Emma (Lothar Emmerich), der gab flach rein. Ich wurde zwischen Fünfmeterraum und Elfmeterpunkt angespielt und habe den Ball flach mit rechts rein geschossen.“
45 Jahre alt wird heute außerdem das aktuelle Sportstudio, das vergleichsweise mitunter etwas betagter wirkt als die gute Bundesliga - trotz des Drei unten, Drei oben an der Torwand* und einem alltime juvenilem Michael Steinbrecher.

*Fußnote für Erbsenzähler: Jaja, die Torwand wurde erst am 5. September '66 eingeführt.

Samstag, 23. August 2008

Eins zu eins verloren?

Die zweite Runde im boulevardesken Spielchen, den Klinsi bis zur Winterpause anständig durchs Bundesligadorf zu jagen, ist vorüber. Da werden sich die Baslers, Effenbergs und ein Lothar Matthäus nach dem schnöden einseins der Klinsmänner in den heutigen 90 Minuten von Dortmund im Sinne von„da hatt'er nach dem zweizwei gegen den HSV schon wieder nicht gewonnen, der Buddha-Buddy“ sicher gehörig auf die Schenkel klopfen, auch wenn ein Lothar Matthäus sich nicht gehörig auf die Schenkel klopft. Erst recht nicht heimlich in seinem israelischen Exil.

Bildquelle: Bild.de

Donnerstag, 21. August 2008

Außerirdischer

Was macht eigentlich...Jürgen Röber in Ramenskoje? Hat ihn etwa die Abenteuerlust a la Ailton ereilt? Jedenfalls darf sich der Ex-Kicker der Calgary Boomers - jaja, bei Bayern, Bremen, Nottingham Forest usw. hat er auch gekickt - nun neuer Trainer des russischen Erstdivisionärs Saturn Ramenskoje nennen. Ramenskoje? Da war doch was?

Richtig, den Klub aus der Vorstadt Moskaus, mit dem klangvollen Spitznamen „Inoplanetjane(Außerirdische), nutzte VfB Stuttgart (schwäbelte Röber dort nicht auch schon einmal?) bekanntlich letztens als Strohhalm, um in die UEFA-Cup-Quali zu gelangen (→ Russischer Strohhalm).

Nun hat Röber die Aufgabe, die Außerirdischen, die als Viertletzter von Russlands Premier Liga zwischen den sagenumwobenen Kickern von Tom Tomsk und Luch-Energija Vladivostok gestrandet sind, wieder zurück in ihre anvisierte Umlaufbahn zu schicken. Die hieß übrigens mal, in den Top Four der Rossijskaja Futbolnaja Premjer-liga zu landen.

Mittwoch, 20. August 2008

Wimpel-Wednesday

Aufgepasst! Demnächst exklusiv im TW-Klubhaus: Faszinierende Wimpelromantik!“ - Diese kleine Vorankündigung gibt es schon länger bei THOR WATERSCHEI. Was wäre schließlich auch ein Fußball-Klubhaus ohne eine ordentliche Wimpelecke. THOR WATERSCHEI führt daher ab dem nächsten Mittwoch (27. August) den so genannten „Wimpel-Wednesday“ ein und präsentiert sodann stets mittwochs in seiner neuen Wimpelecke Wimpel aus der weiten Welt des Fußballs.

Ein kleiner Vorgeschmack gefällig? Dann kann der interessierte Betrachter nachstehend ein schönes Exemplar des FC Aberdeen (→ Mit der Fähre nach Göteborg und zurück) erblicken, jenem Klub, der Thor Waterschei anno 1983 im Halbfinale des Europapokals der Pokalsieger den Garaus machte und bei dem ein gewisser Sir Alex Ferguson in diesen Anfangsjahren der 80er Dekade seine ersten großen Erfolge als Trainer feierte .

Wer übrigens Interesse daran hat, die Wimpelromantik bei THOR WATERSCHEI aktiv mitzugestalten und z. B. möchte, dass ein Foto eines Wimpels seines Lieblingsklubs veröffentlicht wird, der möge mit dem Betreff WIMPELECKE eine Mail nebst entsprechender Anlage an thor-waterschei@web.de schreiben.

Wertarbeit mit Köpfchen

Heute Abend begegnen sich Deutschland und Belgien in Nürnberg mal wieder in einem Länderspiel . THOR WATERSCHEI erinnert aus diesem Anlass an das EM-Finale 1980, in dem Belgiens „Rote Teufel“ der Derwall-Elf wegen eines Doppelpacks von „Kopfballungeheuer“ Horst Hrubesch unterlagen.

Die Legende, die dem inzwischen 57-jährigem Horst Hrubesch, an seinem noch immer blonden Schopf klebt, besagt bekanntlich, dass dieser in seinen besten Zeiten als wuchtiger HSV-Mittelstürmer seine vielen Treffern vornehmlich mit dem Kopf erzielte und dies vor allem den „Bananenflanken“ von Manni Kaltz zu verdanken hat. Hrubeschs einfache Erklärung für sein erfolgreiches Zusammenwirken mit Kaltz „Manni Bananenflanke, ich Kopf - Tor“ und sein daraus resultierender Spitzname „Kopfballungeheuer“ muten daher wie Relikte aus diesen besten Tagen des Hobbyanglers aus dem Westfälischen an.

An jenem 22. Juni 1980, dem Tag des Endspiels der EM in Italien, sollte Manni Kaltz zwar keine seiner Bananenflanken erfolgsversprechend auf das Hrubesch-Haupt zirkeln. Dennoch erlebte Hrubesch, der heutige DFB-Juniorennationaltrainer, mit seinen beiden Treffern seinen größten Tag im deutschen Nationaldress. Die Vorarbeit anstelle von Kaltz erledigten dabei unter anderem der damals 19-jährige Bernd Schuster, der schon in Minute zehn das belgische Abwehrbollwerk um die gefürchteten Eisenfüße Eric Gerets oder Walter Meeuws mit einem feinen Pass erfolgreich aus den Angeln hob, den Hrubesch zum verdienten Führungstor für die dominante Derwall-Elf hinter Torsteherikone Jean-Marie Pfaff in Belgiens Netz versenkte.

Die „Roten Teufel“ aus dem belgischen Königreich kamen freilich gut zwanzig Minuten vor dem Schlusspfiff dieses packenden Finales durch verwandelten Strafstoss, den der rumänische Referee Nicolae Rainea nach einem Foul von Ulli Stielike an van der Elst vor der Strafraumgrenze den Belgiern zusprach, zum zwischenzeitlichen Ausgleich. „So ein hartes Foul mach' ich doch nicht im Strafraum“, entschuldigte sich Stielike später. Doch ein gewisser René Vandereycken, heute im Übrigen belgischer Bondscoach, ließ sich hiervon nicht beirren und ließ Toni Schumacher nicht den Hauch einer Abwehrchance.

In der 88. Minute war die Aufregung um den Ausgleich jedoch Makalatur, da Hrubesch seinem Ruf als „Kopfballungeheuer“ erneut alle Ehre und mit seinem entscheidenden Kopfballtor nach einer Ecke von Kalle Rummenigge einen Strich durch sämtliche belgischen EM-Hoffnungen machte. Oder wie sollte der ehrwürdige Harry Valérien später in seinem Fußball-Jahrbuch '80 ohne nervigen Pathos blickwinkeln:

„Die entscheidende Sekunde - Horst Hrubesch befördert den Ball zum 2:1-Sieg ins belgische Tor - natürlich per Kopf, für dessen Wertarbeit der lange Hamburger ja bekannt ist. Karl-Heinz Rummenigge hatte per Eckstoß die Vorarbeit geleistet. Minuten später ertönte der erlösende Schlusspfiff. Geschafft: Deutschland ist zum zweitenmal Europameister.“
BR Deutschland – Belgien 2:1 (1:0)
22. Juni 1980 im Stadio Olimpico (Rom)
Zuschauer: 47.864

Tore: 1:0 Hrubesch (10.), 1:1 Vandereycken (FE/71.), 2:1 Hrubesch (88.)

Deutschland: Schumacher - Kaltz, Stielike, Förster, Dietz – Schuster, Briegel, Rummenigge, Hrubesch – Müller, Allofs – Trainer: Jupp Derwall

Belgien: Pfaff – Gerets, Millecamps, Meeuws, Renquin – Cools, Vandereycken, van Moer, van der Elst – Mommens, Ceulemans – Trainer: Guy Thys

Gelbe Karten: Förster – van der Elst, Vandereycken, Millecamps
Rote Karten: Keine
Schiedsrichter: Nicolae Rainea (Rumänien)

Dienstag, 19. August 2008

Be Quick

Was macht eigentlich...Marc Overmars? Kurzum: der mittlerweile 35-jährige Ex-Weltklasse-Flügelstürmer flitzt wieder. Trotz seiner Kniemaladitäten, die den teuersten niederländischen Kicker aller Zeiten vor gut vier Jahren zum vorläufigen Karriereende zwangen, hat Overmars für seinen in der zweiten niederländischen Division, der Jubiler League, ersten Profiklub Go Ahead Eagles Deventer die Treter erneut ausgepackt. Bislang stand Overmars dem Traditionsverein als technischer Direktor vor, bewies jedoch jüngst beim Abschiedsspiel der niederländischen Abwehrkante Jaap Stam, dass er kaum etwas von seiner Schnelligkeit eingebüßt hat und noch lange nicht zum alten Eisen zählt.

Nachdem die Go Ahead Eagles am Auftaktspieltag des niederländischen Unterhauses nach deftigen 0:5-Klatsche gleich auf den letzten Platz abgestürzt waren, lud Deventers Coach Andries Ulderink gleich mehrmals zum Comeback ein. Und da juckte es den einstigen Star von Ajax, Arsenal und Barca offenbar wieder in den Füßen und erklärte seinen Rücktritt vom Rücktritt. Am vergangenen Freitag, in der Deventers Heimpremiere am 2. Spieltag, feierte Overmars schließlich bei Deventers 1:1-Remis gegen Fortuna Sittard mit einem 30-Minuten-Einsatz in der zweiten Hälfte sein Comeback, bei dem er zeitweise wie in besten Tagen wirbelte.

Zu Overmars' avantgardistischer Ausrichtung auf dem Rasenrechteck hätte vom Namen her wohl beim ein anderer Klub als die Go Ahead Eagles gepasst. Das gilt gewiss auch, wenn der vierfache niederländische Meister noch unter seinem Gründungsnamen Be Quick firmieren würde und stets nur für eine gute halbe Stunde den gelb-roten Go Ahead-Dress überstreift.

Montag, 18. August 2008

Über Mister Cinderella

Die Frankfurter Rundschau nannte Lars Leese dereinst „Mister Cinderella“, der Autor Ronald Reng nannte das Buch über Lars Leese, jenen Torwart, der die Verwirklichung des geheimsten aller Fußballerträume erlebte und dem der Sprung über das „Trampolin“ Kreisliga in die englische Premier League glückte, der „Traumhüter - Die unglaubliche Geschichte eines Torhüters“.

Anlässlich des 39. Geburtstags von Lars Leese lässt es sich THOR WATERSCHEI nicht nehmen in Auszügen den Klappentext des „Traumhüters“ zu ziteren:
„Lars Leese hat das erlebt, wovon zehntausende Freizeitfußballer auf deutschen Aschenplätzen oder Schwimmbadwiesen heimlich träumen: Plötzlich kommt einer und macht Dich zum Profi. Mit 22 spielte für die Sportfreunde Neitersen in der Kreisliga Westerwald. Mit 28 sicherte er mit seinen Paraden dem englischen Erstligisten Barnsley vor 40.000 Zuschauern einen 1:0-Sieg über den sechsmaligen Europacupsieger FC Liverpool. Mit 32 ist er wieder da, wo er herkam - in der Anonymität.“
Anonymität? Mit nunmehr 39 Jahren trainiert Leese im vierten Jahr den SV Bergisch Gladbach 09, mit dem Leese als Cheftrainer jedoch zuletzt in Liga sechs, die Verbandsliga Mittelrhein, abstieg.

Sonntag, 17. August 2008

Kein Schnee von gestern

Sicher, sieht man Adrian Mutu mit dem rundem Leder umgehen, liegt die Feststellung, dass Rumäniens Zehner der legitime Nachfolger des so genannten "Karpaten-Maradonas" Gheorghe Hagi ist, zweifellos auf der Hand. Tagesspiegel-Autor Matthias Klappenbach plädierte schon im Vorfeld der Euro Null Acht dafür, die Eskapaden aus Mutus Vergangenheit ruhen zu lassen. Es sei halt nicht fair, immer die alte Geschichte des Adrian Mutu zu erzählen, sie überdecke die des Spielers. Der spiele nach der Entlassung bei Chelsea und zwei Saisons bei Juventus Turin inzwischen für den AC Florenz, für den er in der vergangenen Saison 17 Tore geschossen hat. Mit rechts und mit links, häufig von der linken Seite kommend, mit einem rasanten Antritt und vielen feinen Tricks.

Soweit so gut. Die alte Geschichte? Geigen würden jetzt in Moll ertönen. Der FC Chelsea hatte seinen rumänischen Offensivstar im Oktober 2004 entlassen, nachdem diesem Kokainkonsum nachgewiesen worden und für sieben Monate gesperrt worden. Gewiss, die Angelegenheit ist lange her. Doch eine Schiedskommission der FIFA brummte Mutu in der abgelaufenen Woche eine Rekordstrafe wegen Vertragsbruchs und bat Mutu kräftig zur Kasse, der umgerechnet satte 17,17 Millionen Euro an den Chelsea Football Club zahlen muss.

Die richtige Vokabel für diese durchgreifende Entscheidung dürfte im juristischen Fachjargon wohl Präzedenzfall lauten. Mutu legte vor dem Internationalen Sportgerichtshof zwar Einspruch ein, wird die Summe aber sicher auch nicht derart lässig aus dem Ärmel schütteln wie eine Finte auf dem linken Flügel. Immerhin erhielt Mutu von seinem früheren rumänischen Klub Dinamo Bukarest Unterstützung zugesagt, der offenbar sozusagen mit der Sammelbüchse dem unglücklichen Sohn aus der Patsche helfen will. "Wir werden ein Konto einrichten, auf das die Menschen Beiträge einzahlen können", sagte Dinamo Bukarests Präsident Christian Borcea nach einem Bericht der Zeitung Prosport.

Da jedoch nicht davon auszugehen ist, dass beim gemeinen rumänischen Dinamo-Daumendrücker der Rubel deraert gut rollt, wie bei Mutu beispielsweise seinerzeit bei Chelsea, dürfte diese symbolische Sammelbüchsenaktion eher der berühmte Tropfen auf dem heißen Stein werden. Wie dem auch sei, die alte Vergangenheit ist für den neuen T(h)or der Woche noch kein Schnee von gestern...

Über den T(h)or der Woche

One-Hit Wonder?

Der Samstag besitzt im Fußball beinahe sakrale Bedeutung. THOR WATERSCHEI pickt sich regelmäßig in seiner Rubrik SATURDAY ein samstägliches Spiel aus der weiten Welt des Fußballs heraus. Heute: Der gestrige historische 3:0-Triumph von Bundesligaaufsteiger TSG 1899 Hoffenheim bei Energie Cottbus.

Die Tabelle des 1. Spieltags der Saison 2008/2009 wird sich die TSG Hoffenheim, pardon die TSG 1899 Hoffenheim (man spielte freilich nicht leichtsinnig mit der Tradition), sicher einrahmen. Obacht, es wurden nicht nur im Stadion der Freundschaft zu Cottbus die ersten drei Treffer in der noch so juvenilen Bundesligageschichte der 1899er erzielt. Sozusagen auf Augenhöhe mit Schalke 04, die militaritisch angehauchte Floskel des Gleichschritts soll geflissentlich in der Metaphernschublade gelassen werden, grüßen die 1899er als erster Tabellenführer der 46. Bundesligaspielzeit.

Das Emblem der 1899er prägt sich somit im Angesicht der guten alten kicker-Stecktabelle getreu dem einfachen Motto „Hopp, Hopp, Hopp - gleich innen Kopp.“ sofort gut ein. Wieso der Hoffenheimer Premierentriumph sich in der Lausitz so fulminant bewerkstelligen ließ, sezierte 11 FREUNDE-Boss Philipp Köster in seinem Kommentar für Spiegel Online und stellte recht zielsicher fest: „Temporeich und zugleich taktisch diszipliniert traten die Hoffenheimer auf, zu sehen war weniger der Hurra-Fußball eines überschwänglichen Aufsteigers, als vielmehr das abgeklärte Ausnutzen Cottbuser Überheblichkeiten und Unzulänglichkeiten.“

In die Wunde Cottbusser Überheblichkeiten streute übrigens auch kein Geringerer als Energie-Torsteher Gerry Tremmel, nachdem er sich den ernüchternden Dreierpack eingefangen hatte die notwendige Prise Salz und resümierte tachelesartig: „Das war arrogant und überheblich. Wir wollten gegen den Aufsteiger mal so locker spielen. Das war noch nie die Cottbuser Stärke“. Arrogant und überheblich, gegen die tapferen 1899er locker aufspielen? Da klebte bei den Fußballgöttern aus der Lausitz wohl der Titel der leicht angestaubten Sportfreunde Stiller-Scheibe „So wie einst Real Madrid“ in den Köpfen.

Die 1899er sind halt doch kein Wald- und Wiesenklübchen. Inwiefern sie ein One-Hit Wonder an der Tabellenspitze sind, bleibt gleichwohl abzuwarten. Das sieht im Übrigen offensichtlich Ralf Rangnick so, der gebetsmühlenartig in die Journalistenblöcke predigte: „Wir stehen dort nur, weil H wie Hoffenheim vor S wie Schalke kommt.
Bild: Welt.de

Freitag, 15. August 2008

Klassiker

Guten Abend allerseits! Die Bundesliga geht in gut zwanzig Minuten mit dem Saisonauftaktspiel zwischen dem FC Bayern und dem HSV in ihre 46. Runde und bleibt der Evergreen, beinahe so wie die Sportschau, die immerhin den ersten Fehlpass der noch nicht geborenen Saison spielte, indem sie den ollen unlustigen Pocher zum neuen Sportschau-Narren ernannte. Was kommt?

Klinsmann'sche Californication des FCB nebst attraktivem und erfolgreichem arsenalesken Hochgeschwindigkeitsfußball? Oder wird der Klinsmann schon bald zurück in den Flieger nach Huntingon Beach gejagt? Und was macht Auftaktgegner HSV, geht der Bundesligadino nach dem Abschied von Herrn van der Vaart etwa am Stock und trottet in den Tabellenkeller? Schaun mer mal, sagt der Kaiser ja so gerne...

Karnickel

Der gute Jogi Löw ist wahrlich stets für eine Überraschung gut. Munitionierte Fußball-Deutschland nach dem Rücktritt von Jens Lehmann zu einem kontroversen Diskurs über die Beantwortung der von Löw aufgeworfenen T-Frage auf und sinnierte schon mal über die Qualitäten der Herren Enke und Adler als Einser, da bekam Adler, wie so schön neudeutsch heißt, Schulter. Nicht, dass Löw etwa den traurigen Timo Hildebrand nach dessen Euro-Ausbootung mit einer Nominierung für den Testkick der DFB-Eleven gegen Belgien versuchte zu trösten.

Nein, wie die Jungfrau zum Kinde, kam plötzlich der Bremer Tim Wiese zu seiner ersten Berufung in Jogis erlauchten Kreis. Kaum zu glauben, aber wahr -Wiese. Sein unglückseliger Abroller in der Champions League bei Juventus Turin ist zwar beinah verjährt, aber ebenso wie seine beiden Fliegenfängereien aus dem März im UEFA-Pokal bei den Glasgow Rangers nicht vergessen. Das gilt natürlich desgleichen für Wieses ständiges aufs Brot schmieren, wie sehr er doch eine Nominierung verdient habe.

Wie ein hungriger Wolf jaulte Wiese noch im September '07 in der BILD einer erneuten Nichtberücksichtigung hinterher und vergaß ebenso nicht gegen seine Torsteherkonkurrenten zu stänkern:
„Ich bin nicht enttäuscht. Aber das Kapitel Nationalmannschaft unter Bundestrainer Joachim Löw ist damit für mich kein Thema mehr. Es ist abgehakt. [...] Ich bringe national und international Top-Leistungen. Ich verstehe nicht, was das soll. Stattdessen wird ein Hildebrand nominiert, der im Klub nur auf der Bank sitzt. Oder ein Enke, der mit Hannover im Mittelfeld spielt.“
Doch nun machte Löw den Bremer zu seinem Karnickel aus dem Zauberhut, was hoffentlich zur Folge hat, dass Wieses Wolfsgeheule endlich aufhört. Schließlich tut es Wiese mit seiner Berufung seinem Kindheitsvorbild Eike Immel nach, dem Jupp Derwall und Kaiser Franz in den Achtzigern immerhin 19 Länderspiele gönnten. Mal sehen, ob irgendwann auch noch einmal der Dschungel ruft...